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Fokus

Sozialraumstudie für «Stöcklimatt»

Im Rahmen des Projekts eines Mehrgenerationenprojekts «Stöcklimatt» in Hitzkirch wurde das Teilkonzept «Sozialraumentwicklung und Koordinationsstelle» erarbeitet. Das Konzept zeigt auf, wie das geplante betreute Wohnangebot Stöcklimatt in seine soziale Umgebung – vom Quartier bis zu allen Gemeinden des Hitzkirchertals – eingebettet werden soll und wie mit einer Anlauf- und Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit und Nachbarschaftshilfe gefördert werden können. Die Konzeptentwicklung erfolgte in enger Zusammenarbeit der «Stöcklimatt»-Initianten mit dem Institut für Soziokulturelle Entwicklung der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit.

Das Konzept «Sozialraumentwicklung und Koordinationsstelle», im Zuge der Ausarbeitung des Mehrgenerationenprojekts «Stöcklimatt» entwickelt-, in welches auch Resultate der Bevölkerung aus einer Echoraum-Veranstaltung sowie Befragungen, Interviews und Eingaben auf der Homepage einflossen, schlägt sieben Handlungsschwerpunkte mit fünfzehn konkreten operativen Empfehlungen vor.

Der Altwiser Teilprojektleiter «Sozialraumkonzept», Stefan Brändlin, zum Leitgedanken des Konzepts: «In einer Zeit der steigenden Lebenserwartung wird die Chrüzmatt gemeinsam mit der künftigen Stöcklimatt noch stärker als bisher das Herzstück der regionalen Altersversorgung werden und wichtige Dienstleistungen im Betreuungs- und Pflegebereich erbringen. Als ‚Kompetenzzentrum für Altersfragen` soll dieses Herzstück gleichzeitig auch vielfältig vorhandene Ressourcen im ganzen Hitzkirchertal stärken und koordiniert zum Einsatz bringen – über alle Generationen hinweg. Die fünf Gemeinden des Hitzkirchertals werden dabei als Lebensraum verstanden.»

Anlauf- und Koordinationsstelle fördert Autonomie der Betagten

Das Konzept sieht eine Anlauf- und Koordinationsstelle vor, welche mit den Möglichkeiten und Angeboten, aber auch mit dem vorhandenen Bedarf der Region gut vertraut ist. Die Stelle soll die Autonomie und Gesundheit älterer Menschen erhalten helfen: Probleme sollen frühzeitig erkannt und die betroffenen Personen mit vorhandenen professionellen und freiwilligen Akteuren unterstützt werden. Solche Ressourcen sollen auch in und für die neue Siedlung «Stöcklimatt» zum Einsatz kommen, und zwar von und für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen.

Periodische Beurteilung

Gemeinsam mit den Gemeinden des Hitzkirchertals kann der Versorgungsbedarf der älteren Bevölkerung gemäss Konzept periodisch beurteilt und mit den vorhandenen Möglichkeiten und Dienstleistungen in der Region abgeglichen werden. Diese können dann je nach Ausdehnungsdistanz (sogenannten Perimetern) von der «Chrüzmatt», «Stöcklimatt» oder anderen professionellen oder freiwilligen Dienstleistern angeboten und vermittelt werden. Zum Beispiel ein nächtliches Notrufangebot in der «Stöcklimatt» oder im umgebenden Quartier kann möglicherweise direkt von der «Chrüzmatt» geleistet werden, oben am Lindenberg können wiederum andere Dienstleister wie das Schweizerische Rote Kreuz, Familienangehörige oder Freiwillige vermittelt werden. Sozial- oder Demenzberatung wiederum können zentral in Hitzkirch angeboten werden, Fahr-, Begleit- und Entlastungsdienste ortsunabhängig durch verschiedene vermittelte Anbieter. Auch der Spitex kommt flächendeckend eine grosse Bedeutung zu.

Ressourcenschonende Vernetzung

Das Konzept «Sozialraumentwicklung und Koordinationsstelle» sieht zudem starke Lösungsansätze in der Vernetzung. Dazu Stefan Brändlin: «Es geht um eine lösungsorientierte und gleichzeitig auch ressourcenschonende Vernetzung von Menschen und Institutionen: von engagierten Einzelpersonen und Nutzenden, aber auch von vorhandenen professionellen und freiwilligen Dienstleistern. Im Konzept schlagen wir vor, auch ein Netzwerk von örtlichen Altersverantwortlichen aus allen Verbandsgemeinden zu schaffen und die örtlichen Verantwortlichen in ihrer engagierten Arbeit zu unterstützen. Dadurch sollen Synergien mit einem hohen praktischen Nutzen für die betroffenen Menschen und die Gemeinden entstehen.»

Schwerpunkt Freiwilligenarbeit und Gemeinsinn

Weiter unterstreicht das Konzept die Freiwilligenarbeit, die immer wichtiger wird, als gesellschaftliche Ressource genauso wie lebensgestalterisch als sinnstiftendes Engagement von Menschen aller Altersgruppen. Freiwilligenarbeit soll vermehrt Wertschätzung erfahren und gefördert werden. Auch die Vermittlung von Freiwilligen kann verbessert werden. Erfahrungen aus unserer Region und aus anderen Projekten sollen in die Entwicklung eines regionalen Modells einfliessen. Die «Stöcklimatt» fördert soziale Kontakte, vermittelt Informationen und zielt auf eine breite Partizipation. Das schützt vor Vereinsamung. Regelmässig sollen Treffen von Bewohnenden des Quartiers stattfinden und neben dem Büro der Kontaktstelle steht auch ein Gemeinschaftsraum zur Verfügung. In diesem sind gesellschaftliche Anlässe oder Informationsveranstaltungen vorgesehen, zu denen auch Menschen jeden Alters eingeladen sind, die im umgebenden Quartier oder andernorts im Hitzkirchertal wohnen.

Eine Vision nimmt Gestalt an

Für Raymond Neumann, Projektleiter «Stöcklimatt», ist mit dem Konzept «Sozialraumentwicklung und Koordinationsstelle» ein wichtiger Schritt Richtung Realisation gemacht worden: «Das Zusammenbringen und -wirken unterschiedlicher Generationen ist ein Kernstück der Vision «Stöcklimatt». Nicht nur bei Veranstaltungen oder in der Freiwilligenarbeit, sondern auch bei der Vermietung der Wohnungen oder für die Auswahl von Therapieangeboten in der «Stöcklimatt» soll diesem Anliegen Rechnung getragen werden. Dass in den Räumen der «Stöcklimatt» auch eine Kindertagesstätte eingerichtet werden soll, ist für mich der schönste Ausdruck dieses wertvollen Verständnisses.» Das Projekt «Stöcklimatt» unterteilt sich in drei Teilprojekte:


Teilprojekt I entwickelt das Bauprojekt «Wo Generationen gemeinsam leben». Alt und Jung finden sich in einer übersichtlich gestalteten Anlage mit vielfältigen Gebäuden und besten Infrastrukturen. Insgesamt sind rund 80 bis 100 Wohnungen vorgesehen. Zum Raumprogramm gehören u. a. auch eine Kindertagesstätte sowie Therapie- und Gesellschaftsräume. Falls Pflege notwendig wird, findet sich dieses als Spitex oder in der benachbarten «Chrüzmatt». Für das Gesamtprojekt wurde 2018 eine Machbarkeitsstudie erstellt. In der Folge fand ein zweistufiger Architekturwettbewerb statt. Das Siegerprojekt wird Anfang März 2020 der Öffentlichkeit präsentiert.


Teilprojekt II ist das Konzept «Sozialraumentwicklung und Koordinationsstelle». Die Vorschläge unterstützen die Überlegungen des Gemeindeverbandes Chrüzmatt Hitzkirchertal, die zukünftige Alterspolitik mit Blick auf den Bedarf und die Möglichkeiten des gesamten Verbandsgebiet und gleichzeitig kostengünstiger zu gestalten.


Teilprojekt III wiederum definiert die zukünftigen Angebote und Dienstleistungen. Perimeter dienen dabei als Orientierungshilfe für die Umsetzung. Vorgeschlagen werden u. a. Angebote und Dienstleistungen wie Hauswartdienst, Sozialberatung, Demenzberatung, ein unmittelbares vermittelndes Notrufsystem sowie Inhouse-Spitex, Fahr- und Begleitdienste oder Wäsche/Flick-Service.

Gewichtige Unterstützung

Unterstützung erfährt das Sozialraumprojekt «Stöcklimatt» auch durch die renommierte Walder Stiftung. Zweck der Stiftung ist es, die Lebensqualität alter Menschen zu erhalten bzw. zu erhöhen. Konkret fördert die Walder Stiftung Vorhaben, die eine qualitativ hochstehende Wohnraumumgebung schaffen, ungeachtet der Lebenssituation und der gesundheitlichen und geistigen Verfassung der Bewohnerinnen und Bewohner. Leitthemen sind die Integration sowie das Verhältnis der Generationen untereinander. (jo.)


www.stoecklimatt-hitzkirch.ch

www.walder-stiftung.ch

 

 

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