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  • Letzte Woche fand das 3. Symposium des NNZ statt. (Bilder: Nachhaltigkeitsnetzwerk Zentralschweiz/Monique Wittwer)

NNZ Symposium: «Taten statt Worte»

Zum dritten Mal versammelte das Nachhaltigkeitsnetzwerk Zentralschweiz (NNZ) über 100 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum jährlichen Symposium. Gemeinsam setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit den Herausforderungen der Agenda 2030 auseinander, um innovative Lösungen zu erarbeiten und Wissenssynergien zu nutzen. Im Fokus stand dabei das Sustainable Development Goal 7, das darauf abzielt, den Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle zu gewährleisten.

Das Jahr 2023 markiert die Halbzeit auf dem Weg zur geplanten Erreichung der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Die Umsetzung dieser Ziele wurde in den letzten Jahren jedoch durch verschiedene Krisen erschwert: Klimawandel, Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben weitreichende Auswirkungen auf humanitärer, energiepolitischer und wirtschaftlicher Ebene. Das Symposium des Zentralschweizer Nachhaltigkeitsnetzwerks (NNZ) wurde in diesem Kontext zu einem entscheidenden Treffpunkt im Bestreben, die Sustainable Development Goals (SDG) in der Zentralschweiz mit Leidenschaft und Engagement voranzutreiben. Die Vernetzung relevanter Akteure spielte dabei eine Schlüsselrolle. Über 100 Vertreterinnen und Vertreter aus lokalen Unternehmen, Verwaltung, Politik, NGOs, Medien und Wissenschaft haben sich deshalb am letzten Freitag, 26. Januar an der Hochschule Luzern versammelt, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, konkrete Massnahmen für die Umsetzung dieser Agenda zu entwickeln und ein wegweisendes Bild für SDG 7 in der Region zu entwerfen.

Am Symposium konnten die Teilnehmenden diverse Workshops besuchen.

«Es braucht mehr Umweltingenieurinnen»
Der Eröffnungstalk mit Simon Howald (NNZ), Andrea Weber-Hansen (Hochschule Luzern) und Adrian Derungs (Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz) gab ein erstes Bild davon ab, welches die aktuellen Brennpunkte in der Wissenschaft und der Wirtschaft sind. Laut Weber-Hansen legt die Hochschule Luzern einen grossen Fokus auf die Entwicklung und Innovation im Energiesektor. In rund 400 Projekten werden Praxispartner aus der Wirtschaft unterstützt. Doch das grosse Manko seien die Studierendenzahlen – es fehle an Umweltingenieuren und -ingenieurinnen. Für Unternehmen werden diese immer bedeutender, da sie ihnen einen Weg für eine nachhaltige und dennoch wirtschaftliche Produktion ebnen können. Projekte in der Praxis gibt es laut Adrian Derungs genug, wichtig dabei sei aber trotzdem, dass auch das Stimmvolk mit an Bord ist und die Innovationen an der Urne gutheisst.

Vertieft wurden diese Gedanken im anschliessenden Talk mit Fachexperten und -expertinnen aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Christian Frank, Priska Lorenz, Philipp Christen und Antonios Papaemmanouil teilten ihre Perspektiven und Erfahrungen und gaben Einblick in den aktuellen Stand der Erreichung von SDG 7 in der Region. Der breite Konsens dabei: es wird zwar gehandelt, jedoch geschieht dies hauptsächlich an der Spitze. Priska Lorenz hob hervor, dass vor allem bei energieintensiven Betrieben erhebliche Fortschritte erzielt wurden. Dennoch könne Energieeffizienz nur dann wirksam sein, wenn auch die breite Bevölkerung aktiv mit einbezogen werde. Dafür sollten Unternehmen Beratungsangebote für Nachhaltigkeit nutzen, es sollten Anreize gesetzt werden, dass die entwickelten Technologien in die Firmen und Häuser Einzug halten, Bewilligungsverfahren sollten einfacher werden und es brauche auch den Mut, diese Innovationen auszuprobieren. Hier brauchten laut der Experten und Expertinnen vor allem die KMUs Unterstützung, die auch durch die Zusammenarbeit und Unterstützung von Wissenschaft oder grossen Playern proaktiv gefördert werden sollen.

Simon Howald, Geschäftsführer des NNZ, während des Eröffnungstalkes.

Nicht nur Ideen, sondern konkrete Pläne zur Umsetzung
Der Anlass fand zum ersten Mal in einer leicht angepassten Form statt, denn obschon die Schwerpunkte auf Vernetzung, Austausch und Sensibilisierung lagen, entstanden durch die intensive transdisziplinäre Zusammenarbeit der Teilnehmenden Ideen, die es lohnt, weiterzuverfolgen. Dafür hat das NNZ-Team rund um Simon Howald die Methodik leicht angepasst: «Mit Pitches an ein hochkarätiges Board werden diese Ideen greifbarer können in der Praxis weiterverfolgt werden.» Die Teilnehmenden wurden im zweiten Teil des Symposiums deshalb in Workshops geschickt, welche von Experten und Expertinnen auf ihren Gebieten geleitet wurden. Die Themen reichten von der Herausforderung, den richtigen Mix der passenden Massnahmen zur Energiewende zu erkennen, über die Nutzung von Autos als dezentrale Speicher bis hin zur konkreten Umsetzung von Erfahrungen aus Grossprojekten und der Beschleunigung von Prozessen.

Die konkreten Lösungsvorschläge aus den Workshops wurden anschliessend vor einem hochkarätig besetzten «Beschleunigungs-Board» bestehend aus Fabian Peter (Regierungspräsident des Kantons Luzern), Stéphanie Engels (Schwyz Next) und Flavio Ciglia (Luzerner Kantonalbank) präsentiert. Sie reagierten auf die Vorschläge, ordneten sie in die laufenden Diskurse ein und gaben Hinweise zur effektiven Umsetzung. Vor allem die schwierigen politischen Rahmenbedingungen, wie etwa konkrete Bewilligungsverfahren, sorgten für Gesprächsstoff. Hier konnte Fabian Peter direkte Einblicke in die aktuelle politische Arbeit teilen: «Im März wird das Parlament über eine Beschleunigung im Sektor der Windenergie abstimmen, wo in Zukunft ein Verfahren die bisherigen fünf Verfahren ersetzen wird und damit ein verstärkter Einsatz von Windenergieanlagen zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 beitragen kann.» Peter betonte jedoch, dass diese Schritte nur gegangen werden können, wenn auch die Bevölkerung die Revision an der Urne annimmt. Weitere Vorschläge waren, dass Hauseingentümerinnen und Hauseigentümer Infoveranstaltungen geboten werden oder Branchenverbände als Drehscheiben für KMU-relevante Förderungsprogramme fungieren sollen. Breiter Konsens bestand zudem, dass auch Banken einen bedeutenden Beitrag zu nachhaltigen Investitionen leisten können, indem in Kundenberatungen proaktiv Energiethemen ansprechen werden. Relevantes Knowhow aufbauen – das sei eines der grossen Themen, dass die Luzerner Kantonalbank auf der Agenda habe, bestätigte LUKB-Immobilienexperte Flavio Ciglia.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer während den Talks des NNZ Symposiums.

Die Welt als Leihgabe, zu der Sorge getragen werden muss
In seinem Abschlussappell verdeutlichte Regierungspräsident Fabian Peter, dass die Energiewende machbar sei, aber nur dann, wenn jeder und jede im Rahmen seiner Möglichkeiten mitanpacke und aktiv werde. Dies unterstrich er mit einem indianischen Lieblingszitat, das besagt: «Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.» In seiner politischen Tätigkeit möchte er optimale Rahmenbedingungen schaffen, damit alle, die sich für nachhaltige Energien engagieren möchten, dies ohne übermässige Hindernisse umsetzen können. Auch Vorbilder und Leuchtturmprojekte können laut Peter als Antriebe fungieren. 

Zum Schluss des Symposiums präsentierte das renommierte Improvisationstheaterensemble IMPROPHIL einen weiteren künstlerischen Beitrag. Durch spontane Bühnenkunst, die aus dem Moment heraus entstand und das Publikum aktiv einbezog, begleiteten sie die Teilnehmenden mit einem Augenzwinkern durch den Nachmittag und sorgten für eine willkommene Auflockerung zwischen den intensiven Arbeitsphasen. Beim gemeinsamen Apéro wurden die am Nachmittag diskutierten Themen vertieft und neue Kontakt geschlossen. NNZ-Geschäftsführer Simon Howald zeigte sich zufrieden mit dem Anlass, weiss aber auch, dass die Arbeit noch längst nicht getan ist: «Wir sind hier in einer Bubble. Die anwesenden Personen nehmen sich Zeit, kommen hier hin und interessieren sich für die Thematik. Es gibt aber noch sehr viele, die zu wenig am Thema sind, die nicht sensibilisiert werden. Mein Ziel ist es, diese Bubble zu vergrössern, dass immer mehr Leute die Wichtigkeit in der Nachhaltigen Entwicklung spüren und leben.»

Luisa Böbner

Nachhaltigkeit konkret

Inegrierte Nachhaltigkeitsberatung der AKOMAG und diePROJEKTFABRIK

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