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Das "Weidli" interessiert: Grosser Aufmarsch anlässlich der Einweihung. Bild Stiftung Weidli/Website
«Weidli» heisst auch Wirtschaft
115 geschützte Arbeitsplätze, Aufträge für regionale Firmen und zwei Millionen Franken an Spenden: Die Stiftung Weidli Stans hat Mitte September ihre neue Werkstätte eingeweiht. Der Bau war mit 21,3 Millionen Franken budgetiert. Er zeigt, wie eng das Weidli mit der Nidwaldner Wirtschaft verflochten ist.
Mehr als 10’000 Pilatus-Kalender verpackten Mitarbeitende des Weidli für die Ausgabe 2023. Das berichtete damals die «Nidwaldner Zeitung». Beim Neubau stand der Flugzeugbauer erneut auf der Liste: als Spender. Die Beziehung reicht also über einen einzelnen Auftrag hinaus.
Die Stiftung ging 2001 aus der Stiftung Behinderten-Wohnheim Nidwalden und der Heilpädagogischen Werkstätte des Kantons Nidwalden hervor. Nach eigenen Angaben begleitet sie rund 130 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Beeinträchtigung im Wohnhaus, in der Werkstätte und in der Tagesstätte. Regierungsrat Peter Truttmann sagte an der Einweihung laut «Nidwaldner Zeitung»: «Wir eröffnen nicht nur Werkstätten. Wir öffnen auch die Möglichkeit für Begegnungen, Teilhabe an der Gesellschaft und ein Miteinander.»
Erst Auftragnehmerin, dann Bauherrin
Das Weidli zählt, wägt und verpackt für Firmen. Es montiert, recycelt, vernichtet Akten und wäscht. Laut Tätigkeitsberichterledigte die Stiftung 2025 insgesamt 1’567 Aufträge. Sie ist zugleich eine grössere Arbeitgeberin: Ende 2025 beschäftigte sie 172 Angestellte auf 126 Vollzeitstellen. Der Betriebsertrag betrug 17,7 Millionen Franken.
Beim Neubau vergab das Weidli selbst Aufträge. Diese gingen mehrheitlich an Unternehmen aus der Region, sagte René Jacomet, Mitglied des Stiftungsrats und der Baukommission, bei der Schlüsselübergabe im Frühling gegenüber den Medien. Der Terminplan sei eingehalten worden, unangenehme Kostenüberraschungen habe es nicht gegeben. Geplant hat den Bau die Plus Architekten AG aus Stans. Im dreigeschossigen Gebäude stecken mehr als 1’100 Kubikmeter Schweizer Holz. Dafür erhielt es am 19. September das Label Schweizer Holz der Lignum Holzwirtschaft Zentralschweiz.
Zwei Millionen fehlten noch
Finanziert wurde das Projekt vor allem durch Darlehen: Der Kanton Nidwalden gewährte 10,5 Millionen Franken zinslos, die Stiftung steuerte ein Darlehen von 6,5 Millionen und zwei Millionen aus ihrem Baufonds bei. Weitere zwei Millionen sollten Spender aufbringen. Im Juni 2024, zwei Monate vor dem Spatenstich, waren erst rund 100’000 Franken beisammen. Am Ende gelang die Sammlung. Stiftungen, Gemeinden und Private spendeten ebenso wie Nidwaldner Unternehmen, darunter die Nidwaldner Kantonalbank, die Nidwaldner Sachversicherung, die Kayser Werke in Oberdorf und Pilatus. «Wir sind glücklich, dass wir das Spendenziel von zwei Millionen Franken für den Neubau erreicht haben», schreibt Stiftungsratspräsident Karl Tschopp im Tätigkeitsbericht 2025.
Mehr Raum für Arbeit
Im alten Gebäude wurde es eng. Knapp bemessene Räume führten zu Stress, der Warenumschlag galt als gefährlich, wie «Blick» 2024 berichtete. Der Neubau an der Weidlistrasse 6 ist durchgehend barrierefrei. Er bietet ein Schulzimmer, einen Ruheraum und ein Bistro. Die Wäscherei hat viermal so viel Kapazität wie bisher. Derzeit arbeiten rund 80 Menschen mit Beeinträchtigung an geschützten Arbeitsplätzen; Voraussetzung ist eine Teil- oder Vollrente der Invalidenversicherung. Platz gibt es nun für 115.
Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf können im Weidli eine praktische Ausbildung absolvieren, als Praktiker PrA Küche oder PrA Industrie. Auch der Schritt in den ersten Arbeitsmarkt ist möglich: Ein Mitarbeiter aus dem geschützten Bereich arbeitete von August bis Weihnachten 2025 im Hotelbetrieb des St. Josefshauses in Engelberg. Knapp fünf Monate Inklusionspraktikum – und ein konkretes Beispiel dafür, was Arbeit über die neue Werkstätte hinaus bewirken kann. (nj.)