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Landis+Gyr ist eine Nasenlänge voraus

Mittels modernster Mess- und Kommunikationstechnik lassen sich Energieversorgungssysteme effizienter und intelligenter nutzen. Mit Landis+Gyr hat dabei ein traditionsreiches Zentralschweizer Unternehmen, das vor nicht allzu langer Zeit beinahe von der Bildfläche verschwunden ist, technisch die Nase ganz vorn.

Weltweit rund 300 Millionen Stromzähler von Landis+Gyr (L+G) verrichten bis heute in unzähligen Häusern zuverlässig ihren Dienst. Sie zeugen von der einstigen Grösse dieses Unternehmens, das zu seinen Glanzzeiten 16 000 Personen beschäftigte, dann beinahe von der Bildfläche verschwand, jetzt aber seit einigen Jahren wieder kräftig wächst. Wie eh und je werden weiterhin Stromzähler hergestellt.

Zähler mit Köpfchen

Doch was heisst heute Stromzähler? «Aus den elektromechanischen Geräten von einst sind ?Smart Meters? geworden, intelligente Zähler mit speziellen Funktionen», erklärt Unternehmenssprecher Thomas Zehnder. Diese registrieren nicht nur den Energieverbrauch, sondern auch die genaue Bezugszeit. Auf einem Anzeigeterminal können die Konsumenten ihren Stromverbrauch selber überwachen, vom differenzierten Preisangebot mit gestaffelten Tarifen profitieren und auf günstigere Bezugszeiten ausweichen.

L+G ist heute mit einem Weltmarktanteil von 12 Prozent grösster Anbieter auf dem Markt für Stromzähler. Die Geräte der neusten Generation können nahtlos in sogenannte «Advanced-Metering-Infrastrukturen» (AMI) integriert werden. Die Energieversorger erhalten dazu von der L+G das gesamte technische Portfolio aus einer Hand: Nebst den intelligenten Stromzählern sind dies Wärme-, Wasser- und Gaszähler sowie Software-Lösungen und Zweiwegkommunikation für die Zählerdatenerfassung und -verarbeitung. Damit lassen sich die unvergleichlich komplexer gewordenen Ansprüche sowohl der Energieversorger als auch der Energienutzer abdecken. «Die Endkunden wünschen Echtzeit-Transparenz bezüglich Verbrauch, Kosten und Emissionen», betont Andreas Umbach, Präsident und COO von L+G. Die Energieversorger setzen auf automatisierte Lösungen, die alle Applikationen für ein effizientes, die Kosten und den Verbrauch senkendes Energiemanagement enthalten. Dazu gehören «Smart Grids», intelligente Netze also, die sich selbst überwachen und drohende Ausfälle vorbeugend aufspüren.

Immer mehr Energieversorger verlassen sich heute auf die kompletten Gesamtlösungen des Zuger Unternehmens. Es scheint angesichts dieser Nachfrage bloss noch eine Frage der Zeit, bis der Konzern zu alter Grösse zurückgefunden haben wird. «Wir sind in der Vorreiterrolle bei der Transformation der herkömmlichen Versorgungsnetze in Smart-Metering-Systeme», sagt Umbach. Hinter der Technologie steckt bei L+G eine grosse Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit mehr als 700 Mitarbeitenden in einem Dutzend weltweit verstreuten Kompetenzzentren, wobei rund 80 Entwickler am Standort Zug tätig sind.

Erfolgreiche Auferstehung nach einem jähen Absturz

Ein Loch in dreistelliger Millionenhöhe in der Pensionskasse war 1994 der Anfang eines langen Absturzes von Landis & Gyr, in dessen Verlauf das Unternehmen mehrmals zerstückelt und verkauft wurde. Zwar wurde auch in diesen turbulenten Zeiten in Zug stets weiterproduziert, aber das einstmals bekannte Unternehmen existierte im öffentlichen Bewusstsein kaum mehr, umso weniger, als der alte Firmenname zeitweilig aufgegeben und erst 2002 wieder eingeführt wurde.

Seither geht es in Zug auch wieder aufwärts, und seit dem Einstieg der australischen Bayard Group im Jahr 2004 deutet vieles darauf hin, dass L+G zur einstigen Grösse zurückfinden könnte. Einerseits gelang es dank Firmenübernahmen, in den letzten vier Jahren den Umsatz von rund 550 auf 1500 Millionen Franken fast zu verdreifachen. Andererseits verlegte Bayard, nicht zuletzt auch wegen der guten steuerlichen Rahmenbedingungen, den weltweiten Holdingsitz Anfang 2009 von Sydney nach Zug und verpasste sich gleichzeitig eine Einmarkenstrategie. Seither schmückt sich der gesamte Konzern mit dem in Fachkreisen offenbar weiterhin zugkräftigen Namen seiner Schweizer Tochter.

Alle Beteiligungen der Bayard Group sind nun unter der Dachgesellschaft Landis+Gyr Holding zusammengefasst, die sich wie die alte Landis & Gyr auf die Produktion von Stromzählern konzentriert. Die Landis+Gyr Holding erzielte im Geschäftsjahr 2008 mit ihren 45 Gesellschaften in 31 Ländern einen Umsatz von 1,36 Milliarden Dollar. Das Betriebsergebnis (Ebitda) der nicht börsenkotierten Gruppe stieg um 19,1 Prozent auf 169 Millionen Dollar. Als treibende Kraft und CEO wirkt der australisch-irische Verlegersohn Cameron O?Reilly, der mit der Gründung der einstigen Bayard im Jahr 2002 und der Übernahme von L+G im Jahr 2004 den Grundstein zur aktuellen Entwicklung gelegt hat.

Das Unternehmen erwirtschaftet über die Hälfte des Umsatzes in den Regionen Europa, Naher Osten und Afrika, ist aber auch in Nord- und Südamerika sowie in der Region Asien-Pazifik vertreten.

http://www.landisgyr.eu

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