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  • Sandra Stöckli, Leiterin Super-/Verbrauchermarkt Migros Luzern Bild: pd.

Kundennähe ist nachhaltig

Die Covid19-Pandemie hat dazu geführt, dass vermehrt regionale Produkte nachgefragt werden. Diesen Trend verspürt auch die Migros, wie Sandra Stöckli, Leiterin Super-/Verbrauchermarkt Migros Luzern, im Gespräch erklärt.

Migros Luzern hat das Label AdR als erste Genossenschaft vor über 20 Jahren ins Leben gerufen. Konnte der Anteil der regionalen Produkte über die Zeit nachhaltig gesteigert werden?

Sandra Stöckli: Absolut, über die letzten zehn Jahre ist der Umsatz mit "Aus der Region"-Produkten kontinuierlich gewachsen. Heute führen wir über 1300 Produkte von mehr als 1000 Zentralschweizer Produzenten im Sortiment – mehr als jede andere Schweizer Detailhändlerin. Sie machen inzwischen mehr als 14,4 Prozent unseres Lebensmittelumsatzes.

Hat Corona AdR beflügelt? Oder war der Ruf nach mehr Nähe nur ein kurzer Hype? Die Einkäufe bei den Hofläden flachen bereits wieder ab.

Tatsächlich sind unsere "Aus der Region"-Produkte gefragter denn je, viele Zentralschweizer Betriebe produzieren auf Hochtouren. Regionalität hat in der aktuellen Lage einen hohen Stellenwert: Die Herkunft von Lebensmitteln und die gesunde Ernährung sind als Kaufargumente noch wichtiger geworden – sowie das Bedürfnis, die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Ich bin überzeugt, dass regionales Einkaufen auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnt.

Verlagerte sich auch im Food-Bereich ein Teil in den Onlinehandel? Dieser Anteil war ja bisher recht bescheiden.

Während des Lockdowns kam es auch bei Migros Online zu einem regelrechten Boom – und die Nachfrage ist weiterhin sehr hoch. Die Migros konnte aber auch mit ihrer App AMIGOS und gemeinsam mit Pro Senectute die Nachbarschaftshilfe während des Lockdowns unterstützen. Die App vermittelte freiwillige Einkäufer an Personen, die zur Risikogruppe gehörten und ihre Einkäufe nicht selber tätigen konnten. In der Zentralschweiz wurden so zu Spitzenzeiten im Lockdown pro Woche bis zu 400 Heimlieferungen gemacht. Gerade auch aktuell, wenn Personen in Quarantäne müssen, kann die App einfach und schnell Hilfe bieten.

Ist es für Migros überhaupt wünschenswert, online den Food Anteil zu steigern? Die Logistik in diesem Bereich ist ja sehr aufwändig. Man denke da nur an Kühl- und Tiefkühlprodukte.

Im Mittelpunkt steht für uns, den Kundinnen und Kunden ein reibungsloses Einkaufserlebnis zum besten Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten – egal wann, wo und wie sie einkaufen, ob online oder direkt im Laden. Deshalb investieren wir sowohl in unsere starke Position im stationären Handel als auch in den E-Commerce.

Die Umstände in Zusammenhang mit Corona waren für den Detailhandel eine grosse Herausforderung. Innert kürzester Zeit musste man auf die neuen Vorgaben reagieren. Welche Lehren hat man daraus etwa für interne Prozesse, die Zusammenarbeit oder Lieferketten und Logistik gezogen?

Es gibt sehr viele Erkenntnisse: finanzieller, fachlicher aber auch kultureller Natur. Die erfreulichste Tatsache ist die starke Leistungs- und Hilfsbereitschaft aller Mitarbeitenden der Migros Luzern: Diese grosse Solidarität war beeindruckend. Beispielsweise halfen hunderte Mitarbeitende aus vorübergehend geschlossenen Formaten überall im Unternehmen aus, war dies im Supermarkt oder auch in der Betriebszentrale. Ein weiteres wichtiges Learning: Schnelle Wege von der Entscheidung zur Umsetzung. Dadurch konnten wir beispielsweise die Schutzkonzepte in den Standorten schnell umsetzen und wenn nötig anpassen. Hier möchte ich auch die gute Zusammenarbeit mit den Behörden erwähnen. Und nicht zuletzt fanden durch die Corona-Herausforderungen im Bereich Logistik in der nationalen Zusammenarbeit wichtige Optimierungen statt. Davon werden wir auch in Zukunft profitieren.

Mehr lokale Nähe strebt Migros auch mit ihren Läden an. Vor kurzem wurde eine neue Filiale in Oberkirch eröffnet, nur wenige Kilometer Luftlinie vom grossen Center Sursee Park entfernt. Welche Überlegungen stecken dahinter?

Die Migros Luzern setzt in ihrer Expansionsstrategie auf ein dichtes Filialnetz, um die Nahversorgung in den Zentralschweizer Gemeinden zu stärken. Unsere Kundinnen und Kunden schätzen die kurzen Wege für das schnelle, praktische Einkaufen – heute mehr denn je. Das hat sich auch in der Corona-Zeit nochmals verstärkt. Mit einem kleinen, frischen und regionalen Sortiment bietet auch die Migros Oberkirch alles für den täglichen Bedarf in unmittelbarer Nähe. Der Surseepark ist hingegen gerade für Grosseinkäufe beliebt und hat ein überregionales Einzugsgebiet. (red.)

Genossenschaft Migros Luzern / Kennzahlen 2020

Nettoerlös: 1516 Mio. CHF

Investitionen: 69.5 Mio. CHF

EBIT: 53.3 Mio. CHF

Kundenkontakte 2020: 32'181'514

Standorte: 139

Umsatz mit "Aus der Region"-Produkten: 150 Mio CHF (14.4% vom Lebensmittelumsatz)

Genossenschafterinnen und Genossenschafter: 198'849

Anzahl Mitarbeitenden: 5836

 

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