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  • Bild: Zentralbahn

Investition in die Region

Die Corona-Situation hat sich stark auf den öffentlichen Verkehr ausgewirkt. Michael Schürch, Geschäftsführer der Zentralbahn, zeigt auf, wie die Zentralbahn gestärkt aus der Situation herauswachsen wird.

Die Zentralbahn agiert als Garantin der Mobilität und ist stark verankert in der Region. Welche Folgen hat die aktuelle Situation für die Zentralbahn?

Michael Schürch: Das Jahr 2020 war sehr anspruchsvoll für die Zentralbahn – wie für viele andere Unternehmen auch. Im Frühling sind uns von heute auf morgen die internationalen Gäste, insbesondere aus dem asiatischen Raum, und dann mit dem Lockdown auch noch die Schweizer Freizeitgäste und Pendler weggebrochen. Dies hat starke Einbussen in finanzieller Sicht zur Folge. Es fehlen über 40 Prozent der Erträge.

Auch die soziale Komponente ist nicht zu unterschätzen. Die Mitarbeitenden an der Front machen einen hervorragenden Job unter teils schwierigen Bedingungen. Es war und ist stets eine Gratwanderung zwischen Angst und Pflicht. Die Mitarbeitenden aus der Verwaltung sind hauptsächlich im Homeoffice tätig, dabei wird beispielsweise die Zusammenarbeit bei gemeinsamen Projektarbeiten beeinträchtigt.

Sie sprechen unter anderem auch die finanziellen Auswirkungen im Regionalverkehr an. Welche Unterstützung wünschen Sie sich von der öffentlichen Hand? Mit welchen Geldern kann die Zentralbahn konkret rechnen?

Der Bund hat zusammen mit den Kantonen ein Hilfspaket für den Regionalverkehr, den Ortsverkehr wie für die touristischen Transportunternehmungen in der Höhe von mehreren Hundert Millionen Franken geschnürt. Von diesen Geldern werden wir auch einen Teil erhalten, da wir im Frühling praktisch keine Einnahmen mehr hatten. Vorab wird die Zentralbahn die über mehrere Jahre erwirtschafteten Reserven auflösen.

Die Zentralbahn hat seit ihrem Bestehen stark in die Infrastruktur investiert und tut dies auch weiterhin. Sie ist Auslöser von grossen Investitionen, die wiederum in die regionale Wirtschaft fliessen. Von welchen künftigen Projekten werden die hiesigen Unternehmen profitieren?

Die Zentralbahn investiert sehr stark in die Zukunft. So sind wir zurzeit an der Beschaffung von neuem Rollmaterial, bereiten uns auf den Doppelspurausbau im Bahnhof Luzern vor und die damit geplante Einführung der S41 zwischen Luzern und Horw. Somit kann man sagen, dass wir Auslöser für grosse Investitionen in der Region sind. Auch investieren wir in die Standortstärkung an verschiedenen Orten, indem wir bspw. die Postdienstleistungen ab April 2021 im Reisezentrum Engelberg anbieten werden. Dadurch profitieren nicht nur unsere Kundinnen und Kunden, sondern auch die Öffentlichkeit und wir unterstützen die Krisenresistenz der regionalen Wirtschaft.

Die Reisenden im nationalen Verkehr sind im Herbst 2020 wieder zum öffentlichen Verkehr zurückgekehrt. Wie schätzten Sie das künftige Reiseverhalten von nationalen und internationalen Kunden ein?

Unsere Schutzkonzepte im öffentlichen Verkehr funktionieren und die Kundinnen und Kunden kehrten im Herbst wieder zurück. Homeofffice wird wohl einen nachhaltigen Effekt aus der Coronakrise sein, den wir bei den Pendlerfrequenzen spüren werden. Besonders Montage und Freitage sind weniger stark ausgelastet. Auch der nationale Freizeitverkehr hat sich etwas erholt. Ausflüge mit der Bahn sind auch im Corona-Zeitalter sehr beliebt und nachhaltiger als mit dem Auto, jedoch wirkt sich die Maskenpflicht teilweise negativ aus. Besonders die internationalen Freizeitreisenden fehlen nach wie vor. Wir haben in den letzten Jahren stark vom Tourismus profitiert. Bis die internationalen Gäste zurückkommen, wird es noch einige Monate dauern. Für eine vollständige Erholung rechnen wir mit drei bis fünf Jahren. Diesen Fakt gilt es so gut es geht zu überbrücken.

Zentralbahn

2005 wurden die beiden traditionsreichen Bahnbetreiber Luzern-Stans-Engelberg-Bahn (LSE) und SBB-Brünigbahn zur Zentralbahn fusioniert. Das war der Startschuss für eine tief greifende Erneuerung des gesamten Unternehmens. Die Infrastruktur wurde vollständig erneuert und durch Neubauten leistungsfähiger ausgebaut. Gleichzeitig wurde das Rollmaterial mit niederflurigen Triebzügen vereinheitlicht und modernisiert. Basis bildete ein attraktives Angebotskonzept, das mit mehr Verbindungen, kürzeren Fahrzeiten und besseren Anschlüssen die Nachfrage im öffentlichen Verkehr sowie die Attraktivität der Region steigerte. Die Zentralbahn gehört heute zu den modernsten Meterspurbahnen Europas. Die Zentralbahn beschäftigt rund 380 Mitarbeitende.

Im Jahr 2012 wurden die ersten Triebzüge des Typs «FINK» bei der Zentralbahn in Betrieb genommen. Der erste «FINK» hat am 18. Februar 2021 eine Million zurückgelegte Kilometer erreicht, was einer 25-fachen Umrundung der Welt entspricht. (red.)

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