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  • Frauenpower online: oben v.l.n.r. Dr. Katja Nilles, Dr. Anette Wiesmath, Priska Florinett; unten v. l.n.r. Nadine Renner, Seraina Albrecht und Sarah Rüst. Bild: Natalie Boo/AURA

Dätwyler forciert Diversität

Der Urner Komponentenhersteller Dätwyler setzt auf Frauenförderung. Lohngleichheit ist ebenso selbstverständlich wie die laufende Weiterentwicklung der Diversitätsstrategie. Sechs Frauen in unterschiedlichen Funktionen und Positionen zeugen davon.

Dätwyler macht vorwärts mit der Frauenförderung und arbeitet in rollender Planung an einem Programm, das unter dem Titel «Employer of choice» Fakten schafft. Sechs Frauen in leitenden Positionen geben dem Konzept ein Gesicht: Seraina Albrecht, Leiterin Finanzen und Controlling der IT-Einheit, Priska Florinett, HR-Leiterin, Dr. Katja Nilles, Leiterin Materialentwicklung Food and Beverage , Nadine Renner, Leiterin Kompetenzzentrum EU, Sarah Rüst, HR-Leiterin, sowie Dr. Anette Wiesmath, Leiterin Mischtechnologie und des Entwicklungslabors. In einem Corona-konformen Videogespräch legten sie ihre Standpunkte dar.

Bereits bei der Rekrutierung ansetzen

Gegenwärtig beträgt der Frauenanteil in der Gruppe 40 Prozent. 20 Prozent entfallen auf den Bereich Kaderstufe. «Frauenförderung beginnt bei Dätwyler mit dem Rekrutierungsprozess und den dabei genutzten Kanälen.  In der engeren Auswahl der Kandidaten streben wir einen Frauenanteil von mindestens 25 Prozent an», erklärt Priska Florinett, HR- Leiterin am Standort Schattdorf. Priska Florinett teilt ihre Arbeit im Teilzeitpensum mit Sarah Rüst im Job-Sharing Modell. Die beiden HR- Fachfrauen, die beide auch Mütter sind, ergänzen sich als eingespieltes Team und bringen so Familie und Beruf in Einklang. Ihre gemeinsame Tätigkeit ist Beispiel dafür, dass mit austarierten Konzepten, guter Organisation und breiter Unterstützung durch die Unternehmensleitung Diversität kein Papiertiger bleibt. Der Dätwyler Diversitätsprozess ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der gesamten Gruppe und fällt damit in den Verantwortungsbereich der Konzernleitung. CEO Dirk Lambrecht, der eigens einen Diversitätsrat ins Leben gerufen hat, begleitet das Projekt persönlich. «Alle relevanten Bereiche werden in den Prozess integriert und können sich einbringen. Es wird keine Vorgabe von oben nach unten verordnet», betont Sarah Rüst.

Frauen und Technik – das passt

Dätwyler ist ein Industrieunternehmen auf höchstem technologischem Niveau. Wie verhält es sich da mit der gängigen Meinung, Frauen seien an technischen Berufen weniger interessiert als Männer? Und wie werden Pauschalisierungen beurteilt, Schülerinnen und angehende Studentinnen oder Lernende würden sich weniger für die MINT-Fächer begeistern, also für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik? Die promovierte Chemikerin Anette Wiesmath wehrt sich gegen solche Clichés. Sie stellt eine zunehmende Zahl von Frauen fest, die sich in diesem Bereich ebenso wohlfühlen wie Männer. «Da hat sich in letzter Zeit einiges zum Positiven verändert. Es gibt mehr weiblichen Nachwuchs.» Das bestätigt auch Katja Nilles. Sie ist promovierte Chemikerin und hat dazu ein Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen. 2013 hat sie als einzige Frau in ihrer Abteilung begonnen. «Mittlerweile sind inklusive Labor 8 Frauen im Team Schattdorf tätig, global in der Materialentwicklung 21. Das belegt, dass das Interesse von Frauen an technischen und naturwissenschaftlichen Berufen zunimmt», zieht Katja Nilles Bilanz und ergänzt: «Es wird auch an Schulen und in der Wirtschaft viel dafür getan, die jungen Frauen zu informieren und damit auch zu motivieren, in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen eine Zukunft zu finden.»

Mehr Selbstvertrauen und Mut

Seit fünfzehn Jahren ist Nadine Renner für Dätwyler tätig. Die Exportfachfrau sieht in einem verstärkten Engagement von Frauen ein grosses Potenzial. «Frauen sollen sich Führungspositionen zutrauen. Voraussetzung dazu sind Selbstvertrauen und Mut. Es liegt im Naturell der Frau, zurückhaltend zu sein, aber das muss nicht so bleiben», folgert Nadine Renner. Seraina Albrecht, deren Abteilung einen Frauenanteil von rund 70 Prozent aufweist, betont die Bedeutung des Themas Lohngleichheit für Frau und Mann.  Und was halten die Gesprächsteilnehmerinnen von einer Frauenquote? «Das ist ein zweischneidiges Schwert», sagt Seraina Albrecht im Sinne aller und ergänzt: «Im Endeffekt zählt vorerst die Qualifikation. Und da stellen wir fest, dass die Frauen durch ihre Ausbildung zulegen.» (jo.)

Forschungsprojekt mit der Universität Luzern

Wie stark beeinflussen unbewusste Vorurteile und Voreingenommenheiten, sogenannte Bias, Entscheidungen im Talentmanagement? Und wie können diese Bias reduziert werden? Das untersucht das Center of Human Resource Management der Universität Luzern unter der Leitung von Prof. Dr. Bruno Staffelbach. Dätwyler unterstützt das Forschungsprojekt. Es handelt sich um eine exklusive Zusammenarbeit über drei Jahre. Dabei sind weltweit mehr als 100 Führungspersonen der Gruppe via Online-Umfragen in das Forschungsprojekt involviert. HR-Leiterin Priska Florinett ist überzeugt, «dass ein stärkeres Bewusstsein und eine Reduktion von Vorurteilen wichtig sind, um ein besseres Verständnis und ein Zulassen von Diversität zu ermöglichen».

Global tätig- lokal verwurzelt

Die global tätige Dätwyler stellt hochwertige Elastomerkomponenten für die Bereiche Healthcare, Mobility sowie Food & Beverage her. Mit über zwanzig operativen Gesellschaften, Verkäufen in über 100 Länder und mehr als 7’000 Mitarbeitenden (davon mehr als 900 an den Standorten Altdorf und Schattdorf) erwirtschaftet Dätwyler einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Franken.(Red.)

https://datwyler.com/de/home/

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