Unternehmen
Finanzierungskosten im Griff
Die Schattenseite: Der Inflationsschub, höhere Zinsen und Probleme bei den Lieferketten stellen Schweizer Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Die Sonnenseite: Dennoch sind kotierte Schweizer Unternehmen insgesamt weiterhin solide finanziert und erzielten im Jahr 2023 trotz Gegenwind die höchste Ausschüttungsrendite in den letzten fünf Jahren. Dies zeigt eine neue Studie der Hochschule Luzern.
Die aktuelle Ausgabe der IFZ Finanzierungs- und Treasurystudie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt deutlich: Das Umfeld ist und bleibt anspruchsvoll – und dies hat Folgen für die Unternehmen. Trotz gestiegener Zinsen wuchs die Summe des verzinslichen Fremdkapitals der Unternehmen per Ende 2023 im Vorjahresvergleich um rund 4 Prozent an, neu erreichte sie 256 Milliarden Franken. Gleichzeitig war die Ausschüttungsrendite in den letzten fünf Jahren noch nie so hoch – rund 3.3 Prozent bei grösseren SMI-Firmen beziehungsweise 3.1 Prozent im Jahr 2023 bei den kleineren börsenkotierten SPI Unternehmen. Insgesamt wurden 153 kotierte Unternehmen untersucht.
Hier drückt der Schuh: leicht teurere Kredite und höhere Lagerbestände
Die dieses Jahr erstmals vorgelegte Analyse des Working Capital Managements nach Unternehmensgrösse zeigt, dass die Kennzahl ‘Days Working Capital’ (DWC) der börsennotierten Schweizer Unternehmen in der Covid-Krise kontinuierlich angestiegen ist. Damit sind die durchschnittliche Anzahl Tage gemeint, die eine Firma benötigt, um das investierte Working Capital in Einnahmen umzuwandeln. Vor der Covid-Krise betrug diese Zeitspanne 58 Tage, heute sind es 65 Tage. Offensichtlich sind Unternehmen – wegen veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und Anpassungen nach der Pandemie – gezwungen, mehr Kapital in ihren operativen Prozessen zu belassen. «Bemerkenswert ist, dass seit der Corona-Krise Unternehmen mit geringerer Marktkapitalisierung – sogenannte Small Cap Unternehmen – verglichen mit Mid- und Large Cap- Unternehmen im Durchschnitt mehr Working Capital gebunden haben. Diese Entwicklung könnte auf besondere Herausforderungen – wie beispielsweise Lieferkettenprobleme – bei diesen kleineren Unternehmen hindeuten, was zu einer längeren Kapitalbindung führt», erklärt Prof. Markus Rupp, Co-Autor der HSLU-Studie.
Gute Nachrichten gibt es hingegen im Bereich Zahlungsmoral der Kunden: In den letzten zehn Jahren sind die Days Sales Outstanding (DSO) – dem Zeitraum also, in dem Rechnungen beglichen werden (sogenannte Debitorenfrist) – in den letzten zehn Jahren von 59 auf 51 Tage gesunken. Will heissen: Unternehmen betreiben ein effektives Working-Capital-Management, können die Zeit bis zur Bezahlung von offenen Beträgen verkürzen und damit ihre Liquidität verbessern.
Generell höhere Finanzierungskosten – nicht in der Immobilienbranche
Ein Trend macht fast allen Unternehmen zu schaffen: Der Bestand des verzinslichen Fremdkapitals ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Die Summe stieg per Ende 2023 im Vergleich zum Vorjahr um rund 4 Prozent an und erreichte einen neuen Höchstwert von 256 Milliarden Franken. Die höchsten Fremdkapitalkosten weisen Industrieunternehmen mit einem Wert von 2.9 Prozent aus. Am besten kommt die Immobilienbranche weg, dort belaufen sich die Kosten für Fremdkapital durchschnittlich auf 1.3 Prozent (Abbildung). «Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Anstieg der Kosten in sämtlichen Branchen zu beobachten. Angesichts des höheren Zinsniveaus ist dies keine Überraschung.
Wenn man genau hinschaut, gibt es auch Silberstreifen am Horizont: Betrachtet man den Zeitraum zwischen 2014 und 2023, können sich die meisten Branchen über eine leicht rückläufige Tendenz freuen», bilanziert Studienleiter Prof. Dr. Thomas K. Birrer.
KI als verlängerter Arm im Finanz- und Treasury-Management
Ein Gastbeitrag in der Studie zeigt, dass Wissensarbeiterinnen und -arbeiter mit dem Einsatz von KI- Technologie eine deutlich höhere Produktivität und Qualität erreichen können. Entsprechend eignen sich KI-basierte Hilfsmittel auch für die Tätigkeiten im Finanz- und Treasury-Management. Insbesondere für die Erstellung von Cashflow-Prognosen, für die Analyse von Daten und das Treffen von Entscheidungen sowie die Automatisierung von Routineaufgaben bieten diese Tools Chancen zur Effizienzsteigerung. So lassen sich nicht nur Probleme wie fehlende personelle Ressourcen oder das Erledigen von umfangreichen Routinearbeiten besser meistern, sondern die Unternehmen können auch agiler und präziser auf Veränderungen im (Finanz-)Umfeld reagieren. (pd.)