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Berufsfischer: Mit der Natur per du

Berufsfischer ist definitiv kein Beruf für Morgenmuffel. Und mit Romantik hat dieser Beruf trotz der Sonnenaufgänge ebenfalls nichts am Hut. Berufsfischer sein – das ist harte körperliche Arbeit. Karl Frank aus Ennetbürgen ist einer jener Berufsfischer in der Zentralschweiz, die Tag für Tag mit ihrem Boot auf den Vierwaldstättersee hinausfahren.

Beinahe lautlos gleitet das Fischerboot weit draussen auf dem Vierwaldstättersee durch die Dunkelheit dahin. Berufsfischer Karl Frank aus Ennetbürgen ist unterwegs zu den am Vortag ausgelegten Fischernetzen. Mit einem kleinen Scheinwerfer hält er Ausschau nach den Bojen, die ihm die Positionen seiner Fischernetze verraten. Karl Frank geniesst diese Momente der Stille und Ruhe. Langsam macht die Nacht dem anbrechenden Tag Platz. Sonnenaufgänge auf dem See sind auch nach bald 40-jähriger Tätigkeit als Berufsfischer auf dem Vierwaldstättersee für Karl Frank immer wieder ein spezielles Erlebnis, auch wenn er primär nicht zum Geniessen dieses Naturschauspiels, sondern zum Arbeiten auf den See hinausgefahren ist. «Immer ist das Wetter nicht so», präzisiert Karl Frank. Regen, Schnee, Temperaturen im Minusbereich, eisige Winde gehören ebenso zum Berufsalltag. «Nur bei Sturm», erzählt der Ennetbürger Berufsfischer, «bleibt das Boot im Hafen.»

Betrieb in der vierten Generation

Die Fischerei hat in der Familie Frank Tradition. Karl Frank betreibt das Unternehmen in Ennetbürgen in der vierten Generation. Die Ausbildung zum Berufsfischer dauerte damals drei Jahre, und die Berufsschule besuchte er im deutschen Starnberg, «der deutschen Landeshauptstadt für Fischerei», fügt Karl Frank mit einem Schmunzeln an. Starnberg ist nach wie vor Ausbildungsplatz für angehende Schweizer Berufsfischer, obwohl heute in der Schweiz keine Ausbildung zum Berufsfischer, wie sie Karl Frank noch erlebte, mehr gemacht werden kann. Zur Berufsprüfung zugelassen wird, wer den Nachweis von vier Jahren Berufspraxis in der Fischerei erbringen kann. Grundsätzlich steht es den Kandidaten frei, wie sie sich auf diese Berufsprüfung vorbereiten wollen. «Die anspruchsvolle Prüfung setzt aber in der Regel den Besuch von berufsbegleitenden Vorbereitungskursen voraus», gibt Karl Frank zu verstehen. Geprüft wird in erster Linie die praktische Arbeit. Und die hat es in sich.

Leidenschaft und Begeisterung

Sein Beruf erfülle ihn mit Leidenschaft und Begeisterung, sagt Karl Frank. «Und ich kann von meinem Beruf leben. Wenn ich allerdings viel Geld verdienen möchte, dann müsste ich meinen Beruf wechseln.» Dass sein beruflicher Erfolg stark von der Natur abhängig ist, nennt Karl Frank Berufsrisiko. «Gerade die erstklassige Qualität der frisch gefangenen Fische ist die Stärke der einheimischen Berufsfischer.» Das Einholen der Netze erfordert äusserste Konzentration und ist schwere Körperarbeit. Nach drei bis vier Stunden harter Arbeit auf dem See kehrt der Fischer mit seinem Fang nach Hause zurück, wo unverzüglich dessen Verarbeitung beginnt. Im Verarbeitungsraum werden die Fische entschuppt, ausgeweidet, filetiert oder als regionale Spezialität weiterverarbeitet. Trotz der frühen Tagwache – «Berufsfischer ist kein Beruf für Morgenmuffel» – kann Karl Frank noch lange nicht an den Feierabend denken: Nun gilt es, die Netze zu ordnen, auszubessern und wieder aufs Boot zu verladen. Meistens am Nachmittag legt der Ennetbürger die Netze dann wieder für den nächsten Tag aus. Auch wenn die Tage oft hart und lang sind, Karl Frank geniesst die Arbeit in der freien Natur jeden Tag immer wieder aufs Neue. (bc.)

www.seehuisli.ch

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