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Gute Finanzlage

Die börsenkotierten Schweizer Unternehmen stehen finanziell noch solider da als vor einem Jahr. Das zeigt die aktuelle Finanzierungs- und Treasurystudie 2022 der Hochschule Luzern. Trotz der anhaltenden Corona-Pandemie im Jahr 2021 konnten die Firmen ihre Ertragskraft weiter steigern und die relative Verschuldung senken.

Die Ausschüttungen aller SPI-Unternehmen, bestehend aus Dividendenzahlungen, Ausschüttungen aus Kapitaleinlagen und Nennwertreduktionen, summierten sich für das Geschäftsjahr 2021 auf 50.4 Milliarden Franken. Mit einer Ausschüttungsrendite des Swiss Performance Index «SPI» von 2.41 Prozent hat die relative Dividenden- und Kapitalrückzahlungsrendite jedoch einen neuen Tiefstand erreicht. Dieser Tiefststand resultiert – trotz hoher Dividenden – aufgrund der Ende 2021 im Vergleich zum Vorjahr rund 20 Prozent höheren Aktienkurse. Aktienrückkäufe machten einen Anteil von 24 Prozent der gesamten Ausschüttungen und Aktienrückkäufe aus und beliefen sich auf 16.1 Milliarden Franken. Der Median der Marktrendite (Gewinn pro Aktie/Aktienkurs) der SMI-Titel belief sich im Jahr 2021 auf 5.1 Prozent, was aufgrund von Rekordgewinnen gewisser Titel rund ein Prozentpunkt mehr ist als im Vorjahr.

«Die Summe von Ausschüttungen und Aktienrückkäufen nahm im Jahr 2021 wieder zu», bilanziert Manuel Bauer, Mitherausgeber der Studie und Dozent an der Hochschule Luzern. Mit sechs Börsengängen (Volumen 2.2 Milliarden Franken) und einem identifizierten Kapitalerhöhungsvolumen schon kotierter Unternehmen von 2.3 Milliarden Franken war auch der Schweizer Eigenkapitalmarkt wieder sehr aktiv. Und im Jahr 2021 ist die Verschuldung – relativ betrachtet – sogar zurückgegangen. Die Daten lassen darauf schliessen, dass kotierte Schweizer Unternehmen eine solide Finanzsituation aufweisen und der Kapitalmarkt das gesunde Wachstum unterstützt. «Es ist kein Zufall, dass Schweizer Unternehmen auch in einem internationalen Vergleich in den letzten Jahren performancemässig gut dastehen», so Bauer.

Höheres verzinsliches Fremdkapital, tiefere relative Verschuldung
Die 167 untersuchten Nicht-Finanzunternehmen weisen per Ende des Jahres 2021 folgende Kapitalstruktur der kumulierten Bilanzsumme von 871 Milliarden Franken auf: 43.9 Prozent Eigenkapital und 56.1 Prozent Fremdkapital. Die Zinssituation im Jahr 2021 widerspiegelte sich wiederum in einer Zunahme der kurz- und langfristigen verzinslichen Verbindlichkeiten der Unternehmen. So nahmen die verzinslichen Verbindlichkeiten in den Jahren 2012 bis 2021 um 45.8 Prozent auf total 245 Milliarden Franken zu, was einer Zunahme von 77 Milliarden Franken entspricht. Gegenüber dem Vorjahr 2020 bedeutet dies ein weiterer Anstieg um neun Prozent. «In der Studie zeigte sich einmal mehr die Bedeutung der Finanzierung mit Anleihen, welche drei Viertel des am Markt ausstehenden verzinslichen Fremdkapitals ausmachen», erläutert Thomas Birrer, Mitherausgeber der Studie und Professor für Corporate Finance an der Hochschule Luzern. Die drei grössten Nicht-Finanzunternehmen Nestlé, Roche und Novartis emittierten zusammen 65 Prozent des gesamten Volumens, was deren wesentliche Bedeutung im Schweizer Kapitalmarkt für Nicht-Banken aufzeige, so der Finanz-Experte.

Mit der Zunahme an verzinslichem Fremdkapital nahm auch die Nettoverschuldung seit dem Jahr 2012 um 30.2 Prozent zu. Jedoch sank der Median des Nettoverschuldungsgrads (NetDebt/EBITDA) von 0.49x im Jahr 2012 auf 0.38x im Jahr 2021. Im Vorjahr belief sich dieser noch auf 0.68x.

Green Bonds und Sustainability-Linked Bonds auf dem Vormarsch
Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (ESG) spielen eine immer grössere Rolle bei den Entscheidungen von Unternehmen. Dies trifft auch in Bezug auf finanzielle Entscheidungen zu. Insofern erstaunt es kaum, dass sich im Jahr 2021 das global emittierte Volumen von Green-Bonds auf 605 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt hat. In der Schweiz wurden ebenfalls fleissig Green-Bonds emittiert. Im Rahmen von 16 Transaktionen wurde Fremdkapital im Umfang von 2.8 Milliarden Franken aufgenommen. Wie in der letztjährigen Studie prognostiziert, hielt der Wachstumstrend auch im Jahr 2021 an und dies dürfte auch für die kommenden Jahre gelten. «Insofern wird es interessant sein zu beobachten, welcher Anteil in Zukunft grün finanziert wird», meint Thomas Birrer.

Working Capital Management
Im Rahmen der diesjährigen Studie hat das HSLU-Forschungsteam erstmals auch das Working Capital Management der kotierten Schweizer Unternehmen im Zeitraum von 2012-2021 untersucht. Die Kunden der untersuchten Unternehmen haben ihre Rechnungen im Jahr 2021 im Vergleich zum Jahr 2012 6 Tage früher bezahlt. Gleichzeitig haben sie ihre Lieferantenrechnungen in diesem Zeitraum im Durchschnitt 7 Tage später bezahlt. Durch die frühere Einnahme der Kundenzahlungen und der späteren Zahlung der Lieferantenrechnungen haben diese Unternehmen im entsprechenden Zeitraum unter sonst gleichen Bedingungen etwa 17 Mrd. an flüssigen Mitteln eingespart. Im ersten Coronajahr 2020 wurden im Vergleich zum Vorjahr keine wesentlichen Veränderungen im Zahlungsverhalten der Unternehmen festgestellt. (pd.)

www.hslu.ch/ifz-finanzierungsstudie

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