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Kunst & Kultur

Kunstausstellung Doris Windlin: "Überall zu Hause“

Im Dachstock der Sust in Stansstad zeigt Doris Windlin vom 27. Oktober bis 18. November 2018 eine Auswahl ihrer Bilder, die sie an verschiedenen Orten der Welt gemalt hat. Vernissage ist am 27. Oktober 2018.

Die gebürtige Obwaldner Künstlerin Doris Windlin, wohnhaft in der Tschechei und mit gelegentlichen Aufenthalten in Sarnen, ist eine vitale Person. Und so ist auch ihre Kunst: Voller Farben, mit dem Blick für das grosse Ganze und mit der Liebe zum Detail, mit einer freien Pinselführung, die an die Impressionisten erinnert und mit einer grossen Empathie für die Menschen. Gerne hält sie sich auf belebten Plätzen auf, wo sie bei jedem Wetter vor der Staffelei sitzt und Ölbilder malt, die sie an Ort und Stelle immer wieder überarbeitet, sodass sie immer farbiger werden.

Es entwickeln sich häufig Gespräche zwischen der Malerin und Passanten, denn diese Werke sind von packender Direktheit und Vitalität. Die Figuren, Farben, Konturen fliessen ineinander über, zwingen das Auge, sich immer wieder von Neuem zu orientieren, von einem Bildpunkt zum anderen zu wandern. Dabei verzichtet Doris Windlin darauf, einzelne Stellen in der Raumkomposition bevorzugt zu behandeln. Auch das ist ein Mittel um den Betrachter aufzufordern, seinen Blick in einem permanenten Rundlauf über das ganze Bild kreisen zu lassen.

Die Ruhe in der Natur

Immer wieder verweist die Künstlerin auf ihr grosses Vorbild Paul Cézanne. So wie der Franzose den Montagne Saint-Victoire bei Aix-en-Provence zu einem seiner Lieblingssujets machte, hat auch Doris Windlin mit dem Stará hora (alter Weinberg) in der Tschechei ihren Lieblingsberg gefunden. Und wie Paul Cézanne verzichtet sie auf die Linearperspektive. Die «Figurenbilder», schmale, vertikal ausgerichtete Werke, die einzelne Personen oder Menschengruppen in einer nicht näher definierten Umgebung zeigen, malt sie zum Beispiel aus einer erhöhten Position, fast schon aus der Vogelperspektive.

Ein anderes Genre, das die nachdenkliche, stille Seite der Künstlerin zum Ausdruck bringt, sind die zahlreichen Selbstporträts. Doris Windlin tut sich nach eigener Aussage schwer damit, sich selbst zu porträtieren. Aber auch hier fühlt sie sich ihrem Grundsatz verpflichtet mit unbestechlichem Blick genau zu beobachten und das Gesehene – in diesem Fall sich selbst – mit grösst möglicher Ehrlichkeit auf der Leinwand festzuhalten.

Beizen-Atmosphäre

Wer sich mit dem Schaffen von Doris Windlin beschäftigt, begegnet immer wieder ihren Beizenbildern. Die Künstlerin zeigt keine heile Welt, doch sind ihre Werke voller zwischenmenschlicher Wärme und geprägt von Sympathie für die einsamen Trinker an den Tischen. Im Gegensatz zu den Bildern auf belebten Plätzen kann sich die Malerin den einzelnen Menschen zuwenden und sie mit individuellen Gesichtszügen ausstatten. Dabei befinden sich die Gäste nicht immer im Bildzentrum, sondern werden vom Blick auf das dominierende Inventar oder die Raumausstattung an den Rand gedrängt. Auffallend ist auch, dass die Farbgebung bei den Beizenbildern im Gegensatz zu den anderen Werken, die im Freien gemalt werden, eher dezent gehalten ist. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Doris Windlin in den Gasthäusern zuerst Skizzen anfertigt und diese später im Atelier in Öl malt. Im Übrigen kann sich die Künstlerin gut vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt auch Bilder in Schweizer Wirtshäusern zu malen.

Sust Stansstad. 27. Oktober – 18. November 2018
Vernissage: Samstag, 27. Oktober, 17.00 Uhr
Öffnungszeiten: samstags, 14.00 - 18.00 Uhr; sonntags, 11.00 - 17.00 Uhr; am 1. November geöffnet

Am 28. Oktober und am 11. November spricht die Kunsthistorikerin Christiane Kutra-Hauri zwischen 9.30 und 10.30 Uhr in der Sust zum «Beginn des malerischen Sehens im 19. Jh.»

Sust

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