Kunst & Kultur
Bis zum 22. August 2027 ist die Ausstellung «Schatzkammer Eis» zu sehen. Bild: Gletschergarten/Website
Fundbüro Gletscher
Der Gletschergarten Luzern zeigt bis zum 22. August 2027 die Ausstellung «Schatzkammer Eis». Sie verbindet Gletscherarchäologie und Eiskernforschung und führt durch die vergangenen 10 000 Jahre.
2012 entdeckten zwei englische Alpinisten auf dem Aletschgletscher die Überreste mehrerer Bergsteiger. Von ihnen fehlte seit fast hundert Jahren jede Spur. Solche Funde haben sich in den letzten Jahren gehäuft, auch im laufenden Jahr.
Der Gletschergarten Luzern nimmt sie zum Ausgangspunkt seiner neuen Ausstellung. «Schatzkammer Eis» zeigt, welche Erkenntnisse sich aus den Spuren im Eis gewinnen lassen.
Vom Kuhschädel bis zum Russpartikel
Gletschereis enthält Dinge jeder Grösse. Ein uralter Kuhschädel gehört dazu, eine römische Statuette, ein Rosenkranz, ein Pfeilbogen, aber auch Pollen, Staub und Treibhausgase. Zwei Forschungsgebiete werten dieses Material aus, jedes auf seine Weise. Die Eiskernforschung rekonstruiert anhand von Eisproben unter anderem Klima- und Umweltveränderungen. Die Gletscherarchäologie untersucht Gegenstände und Spuren, die das schmelzende Eis freilegt. Selbst Ereignisse der jüngsten Vergangenheit lassen sich im Eis rekonstruieren.
Wissenschaftlich beraten wurde der Gletschergarten von der Eiskernforscherin Prof. em. Dr. Margit Schwikowski, die ab 2016 das Labor für Umweltchemie am Paul-Scherrer-Institut leitete, und vom Gletscherarchäologen Marcel Cornelissen. Cornelissen untersucht im Projekt «Bergeis» am Urner Institut Kulturen der Alpen, wie in der Mittelsteinzeit Bergkristall abgebaut und genutzt wurde. Die Szenografie stammt von der Innenarchitektin Carmen Gasser Derungs, Gasser Derungs Zürich.
Ein Archiv, das schmilzt
Beide Disziplinen arbeiten unter Zeitdruck. Mit der Klimaerwärmung schwindet das Eis und damit die darin eingeschlossene Information. Dr. Andreas Burri, Direktor des Gletschergartens Luzern und Projektleiter, setzt den Akzent trotzdem anders. «Im Zentrum stehen nicht die längst bekannten Ursachen oder gar das schlechte Gewissen, sondern die Faszination für die Geschichten und Informationen, die im Eis gespeichert sind», sagt er.
Rund um die Schatzkammer
Im Sandstein-Pavillon läuft der Gletschergarten-Film, im Bistro gibt es Kaffee und Tee. Zum Gelände gehören die eiszeitlichen Gletschertöpfe und ein Alpengarten. Familien lösen das Suchspiel «Lily + Börni» oder gehen ins Spiegellabyrinth der Alhambra. (pd./red.)
«Schatzkammer Eis»
Die Ausstellung dauert bis zum 22. August 2027
April bis Oktober täglich 10–18 Uhr, November bis März täglich 10–17 Uhr
Infos und Tickets: www.gletschergarten.ch