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Kunst & Kultur

  • Ausstellungsansicht, Salzmagazin 1. Obergeschoss. Foto: Christian Hartmann

Nidwaldner Museum

Die neue Ausstellung «Söldner, Reissäckler, Pensionsherren - Ein Innerschweizer Beziehungsnetz» wurde im Nidwaldner Museum Salzmagazin eröffnet.

Vom 15. bis Mitte 19. Jahrhundert waren eidgenössische Söldner von allen europäischen Mächten umworben. Die Fremden Dienste bildeten in dieser Zeit eine zentrale Einnahmequelle. «Die Kriegsdienste waren für viele notwendig, blieben jedoch bis zum nationalen Verbot im Jahr 1859 stets umstritten. In Nidwalden unter anderem wegen der ungleichen Verteilung der Pensionenzahlungen. Das waren Zahlungen ausländischerMächte an den Kanton und an politisch einflussreiche Kreise, um Söldner werben zu können», erklärt Stefan Zollinger, Leiter des Nidwaldner Museums. «Ziel der Ausstellung ist es, den Besucherinnen und Besuchern aufzuzeigen, wie das Söldnerwesen entstand und wie es die Innerschweiz prägte. Die Ausstellung folgt zahlreichen Einzelschicksalen von Innerschweizer Söldnern und Militärunternehmern. Sie thematisiert die Schrecken des Krieges, Heimweh, Abschied und Rückkehr».

Solddienst aus wirtschaftlicher Notwendigkeit
Jürg Spichiger, Kurator der Ausstellung, war es wichtig, in dieser Zeitreise in die Zentralschweizer Vergangenheit auch die Perspektive der einfachen Söldner zu zeichnen. Dies erwies sich jedoch als schwierig. «Nur wenige Lebensläufe von Vertretern führender Familien, die in der Alten Eidgenossenschaft das Soldgeschäft beherrschten, sind bekannt. Auch bei den Söldnerführern weist die Geschichtsforschung grosse Lücken auf. Das gilt erst recht für das Schicksal einfacher Söldner. Dank Aufzeichnungen in Sterbebüchern von Pfarreien und einzelner Dokumente in Staatsarchiven lässt sich zumindest ansatzweise ein Bild von ihnen zeichnen», erläutert Jürg Spichiger. Für viele war der Solddienst die einzige Möglichkeit der Arbeitsmigration. Denn der Hof konnte häufig nicht alle Töchter und Söhne ernähren. Oft war der Solddienst aber auch ein Abenteuer in einer Zeit, die keine Ferienreisen kannte; dafür mussten Söldner wochenlange Fussmärsche auf sich nehmen. Millionenfach in fremden DienstenDie Schweiz hat sich nie an einemWeltkrieg beteiligt, und doch war das Land 400Jahre lang der grösste Lieferant von Kriegsdienstleistern. Schätzungen gehen heute von bis zu 1,5 Millionen Soldaten aus, die unter fremden Fahnen dienten. Auch zahlreiche Nidwaldner leisteten fremdeDienste. Darunter sind Persönlichkeiten wie der Eremit Konrad Scheuber, ein Enkel des Niklaus von Flüe. Auch Melchior Lussy erwarb so seinen Wohlstand. Er gilt heute als wichtiger Vertreter der katholischen Reform im 16. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert kam«Borneo Louis», der Nidwaldner Louis Wyrsch, als Offizier auf den Gewürzinseln (Indonesien) im Dienst der niederländischen Kolonialbesatzung zu Rang und Namen. Es dienten jedoch nicht nur angeseheneHerren wie Lussy, Scheuber und Wyrsch. Im Gegenteil, in strukturschwachen Bergregionen wie Nidwalden bot der Solddienst zahlreichen jungen Männern aus ärmlichen Verhältnissen während Jahrhunderten oftmals den einzigen Ausweg aus der Not.

Millionenfach in fremden Diensten
Die Schweiz hat sich nie an einem Weltkrieg beteiligt, und doch war das Land 400 Jahre lang der grösste Lieferant von Kriegsdienstleistern. Schätzungen gehen heute von bis zu 1,5 Millionen Soldaten aus, die unter fremden Fahnen dienten. Auch zahlreiche Nidwaldner leisteten fremdeDienste. Darunter sind Persönlichkeiten wie der Eremit Konrad Scheuber, ein Enkel des Niklaus von Flüe. Auch Melchior Lussy erwarb so seinen Wohlstand. Er gilt heute als wichtiger Vertreter der katholischen Reform im 16. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert kam«Borneo Louis», der Nidwaldner Louis Wyrsch, als Offizier auf den Gewürzinseln (Indonesien) im Dienst der niederländischen Kolonialbesatzung zu Rang und Namen. Es dienten jedoch nicht nur angeseheneHerren wie Lussy, Scheuber und Wyrsch. Im Gegenteil, in strukturschwachen Bergregionen wie Nidwalden bot der Solddienst zahlreichen jungen Männern aus ärmlichen Verhältnissen während Jahrhunderten oftmals den einzigen Ausweg aus der Not.

Spurensuche für Gross und Klein
Im Eintritt inbegriffen sind zwei Rätseltouren für Kinder ab sechs Jahren sowie für Jugendliche und Erwachsene. Sie lernen so das Söldnerwesen auf einer spannenden Rätseltour näher kennen. Auf einer Reise durch die Geschichte von 400 Jahren Soldwesen landen die Kinder am Schluss sogar auf einem Schiff Richtung Südostasien. Sie knacken mit dem richtigen Zahlencode das Schloss der Soldtruhe. Jugendliche und Erwachsene folgenden Spuren einer Nidwaldner Söldnerfamilie, ausgerüstet mit einem mit Rätselutensilien gefüllten «Reissäckli». Sie finden dank ihrer Kombinationsgabe und dem nötigen Rätselglück den seit langer Zeit verschollenen Familienschatz.

Begleitprogramm mit Historischen Vereinen
Die Historischen Vereine Zentralschweiz, Nidwalden, Obwalden, Uri, Luzern, Schwyz und Zug ergänzen die Ausstellung mit diversen Beiträgen und Begleitveranstaltungen. Begleitprogramm der Historischen Vereine und weitere Informationen zur Durchführung: www.nidwaldner-museum.ch
Die Ausstellung dauert vom 31. März bis 31. Oktober 2021.

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