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Kopf der Woche

Klaus Rütschi, Telefon 143

Seit 2008 ist Klaus Rütschi Geschäftsführer bei Telefon 143 Zentralschweiz. Menschen mit Sorgen oder in einer schwierigen Lebenslage finden bei der Dargebotenen Hand eine erste Anlaufstelle. In der Zentralschweiz sind es über 10 000 Anrufe, die beim Nottelefon 143 jährlich eingehen.

«Telefon 143 ist für alle da. Es ist konfessionell, kulturell und politisch neutral. Wenn ein Mensch Probleme hat, kommt es nicht darauf an, wer er ist, sondern dass man ihm sofort hilft», sagt Klaus Rütschi (42), Geschäftsführer Regionalstelle Zentralschweiz bei Telefon 143. In den Neunzigerjahren arbeitete der gelernte Schriftsetzer und studierte Betriebsökonom für diverse Zentralschweizer Medien als Journalist und Fotograf. Anschliessend bildete er sich zum Marketing- und Fundraisingspezialisten weiter. So war er unter anderem Marketingleiter bei Von Roll Infratec und ab 2003 Leiter Fundraising für die Stiftung Schweizer Sporthilfe. «Bei Telefon 143 bin ich dafür zuständig, dass Hilfesuchende unsere Anlaufstelle kennen, einfach und ohne Hemmschwelle sich an uns wenden können und die Nummer 143 wählen», erklärt Klaus Rütschi. Ein zweiter Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Mittelbeschaffung. Der Betrieb verursacht trotz Freiwilligenarbeit Kosten. «Damit weiterhin eine professionelle und für die Gesellschaft wertvolle Dienstleistung aufrechterhalten werden kann, sind wir auf finanzielle Unterstützung angewiesen.»

Hilfe rund um die Uhr

Das Sorgentelefon 143 wird anonym, kostenlos und rund um die Uhr angeboten – dies seit über 50 Jahren. Die Zentralschweiz mit Geschäftssitz in Luzern ist eine von zwölf Regionalstellen in der Schweiz. Über 40 freiwillige Telefonberater, ein Jahr lang ausgebildet in Psychologie und Kommunikation, stehen den Anrufenden unterstützend zur Seite. «Ohne die Freiwilligen würde es das Nottelefon nicht mehr geben, da der Betrieb sehr personalintensiv ist. Die Präsenzzeit am Telefon liegt in einem Jahr bei zirka 9000 Stunden.» Den einzigen nicht ehrenamtlichen Teil der Organisation bildet die Geschäftsstelle. Sie besteht aus drei Personen, die im Teilpensum angestellt sind. Sie kümmert sich um die Geschäftsführung, Administration, Aus- und Weiterbildung sowie Betreuung.

«Neben der Notrufnummer 143 besteht auch die Möglichkeit, uns via E-Mail oder Chat auf www.143.ch zu kontaktieren», erläutert Klaus Rütschi. «Unser Credo lautet ‹Hilfe zur Selbsthilfe›. Wir versuchen mit den Anrufenden Lösungswege zu erarbeiten, die sie Schritt für Schritt auch umsetzen können.» Die Bereiche Einsamkeit, psychische Störungen und Alltagsbewältigung machen über die Hälfte der Anrufe aus. Viele Menschen seien mit dem stetig wachsenden Druck in der Gesellschaft sowie den Werteveränderungen überfordert. Die Themen Suizid, Verlust und Trauer beschäftigen nur etwa 2 Prozent der Anrufenden. «Für sehr komplexe Probleme haben wir eine Datenbank mit über 600 weiterführenden Fach- und Beratungsstellen, auf die wir verweisen können», gibt Klaus Rütschi zu verstehen.

Fehlende Anerkennung durch die Politik

Rütschi ist zuversichtlich, dass Telefon 143 auch für die Zukunft gewappnet ist. «In dieser sich so schnell verändernden Zeit sind wir flexibel genug, um uns auf die sich wandelnden Beratungsbedürfnisse einzustellen», betont Klaus Rütschi. Beispielsweise ist Telefon 143 bei der Suizidprävention eine Zusammenarbeit mit Facebook eingegangen. Allerdings würde er sich mehr Anerkennung von Seiten der Politik wünschen. «Von unserem Angebot profitieren nicht nur die Hilfesuchenden direkt, auch die Gesellschaft profitiert, da es in kostengünstiger Weise eine wichtige Lücke in der psychosozialen Grundversorgung schliesst. Damit wird die Öffentlichkeit, namentlich das Gesundheits- und Sozialwesen, entlastet.» Diesbezüglich müsse Telefon 143 viel Überzeugungsarbeit bei den Zentralschweizer Kantonen und Gemeinden leisten, sodass die Institution bald Leistungsvereinbarungen erzielen könne und Zuwendungen erhalte.

www.luzern.143.ch

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