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  • «Ich bin ein totaler Fan der Innerschweiz», George Falkner, CEO Saxo Bank (Schweiz) AG

George Falkner

Ein halbes Jahr ist George Falkner CEO bei der Saxo Bank. Im Gespräch mit ROI Online äussert er sich zu coronabedingten Veränderungen, aber auch zur Inflation oder dem Fachkräftemangel.

George Falkner, Sie sind erst kurze Zeit CEO bei der Saxo Bank. Warum dieser Schritt?
George Falkner: Es sind zwei Gründe: Zum einen ist es ein wahnsinnig zukunftsorientierter FinTech mit einer dreissigjährigen unglaublichen Erfolgsgeschichte. Ich kenne die Saxo Bank schon von früher, als ich bei der UBS institutionelle Kunden betreuen durfte. Sie schwärmten immer von dieser Plattform. Heute reden alle von Digitalisierung. Bei Saxo, die eine reine Online-Bank ist, erlebt man die Umsetzung. Der zweite Grund ist im Schweizer Verwaltungsrat zu suchen, den ich persönlich kenne und schätze.

Die Schweizer Saxo Bank hat ein dänisches Mutterhaus. Worin liegen die Berührungspunkte?
Die Schweizer Saxo Bank ist eine Schweizer Bank mit voller Schweizer Banklizenz. Wir beziehen die Plattform vom Mutterhaus, haben aber auch eigene Produkte, die der Schweizer Markt verlangt. Das heisst auch: Die Kundengelder sind in der Schweiz mit Finma-Regulierung gebucht. 97 Prozent unserer Kunden sind auch Schweizer Kunden.

Was waren bisher Ihre grössten Herausforderungen?
Ich bin jetzt sechs Monate bei Saxo. Eine der grössten Herausforderung ist das Onboarding der neuen Kundschaft. Seit Corona sind wir extrem hoch im Kurs. Während dieser Zeit haben die Leute offenbar auch die Berührungsängste mit der digitalen Welt verloren. Sie können nicht nur in der Migros digital einkaufen, sie tätigen ebenfalls ihre Finanzgeschäfte so. Wir sehen jedenfalls eine sehr, sehr hohe Nachfrage, sei es von direkten, wie von institutionellen Kunden.

Lässt sich diese Zahl beziffern?
Es sind über 1000 Kunden pro Monat, die auf der Saxo-Plattform ihr Konto eröffnen.

Saxo ist eine digitale Bank. Welche Bedeutung hat Crypto?
Seit wir auf der Saxo-Plattform ebenfalls Cryptos handeln, besteht gerade bei jungen Leuten eine enorme Nachfrage. Das hat zu einem zusätzlichen Schub geführt.

Jetzt haben – gerade während der Corona-Zeit – offensichtlich auch Frauen die Saxo Bank entdeckt…
(lacht…) Wir hatten zwar nie den Fokus darauf, nach Geschlechtern zu unterscheiden, um zu sehen, ob die Kundschaft weiblich oder männlich ist. Aufgrund einer Anfrage aus dem Welschland haben wir aber eine Analyse gemacht.

Und zu welchem Resultat hat diese Analyse geführt?
Wir haben herausgefunden, dass wir dreimal mehr gewachsen sind während der Coronazeit als vorher, wovon siebenmal mehr beim Frauenanteil. Das trifft vor allem auf jüngere Frauen zwischen 20 und 40 Jahren zu. Und nachdem die Coronaregeln gegen Ende März aufgehoben wurden, haben wir im Welschland sofort einige Kundenevents durchgeführt. Und tatsächlich: Wir stellten einen hohen Frauenanteil fest. Wobei interessant ist, dass viele, die daran teilnahmen, aus dem Gesundheitswesen und aus dem Sport kamen oder Unternehmerinnen waren. Also Menschen, die per se überhaupt nicht aus dem Finanzbereich kamen.

Sie haben Corona erwähnt. Wie beurteilen Sie deren Einfluss ganz generell auf die Saxo Bank?
Ich glaube, man hatte sehr viel Zeit während dieser Pandemie, um sich beispielsweise weiter zu bilden. Das Internet war für viele tatsächlich das einzige Tor zur Welt. Und ich spüre ebenfalls, dass die Kunden sehr preissensitiv sind, sie verstehen mittlerweile, wie das Verhältnis Preis/Leistung zu taxieren ist. Kunden sind neugieriger geworden zu vergleichen.

Wie würden Sie das Kundensegment der Saxo Bank strukturieren?
Die DNA der Bank ist eigentlich aus dem professionellen Traderumfeld. In den vergangenen Jahren hat man aber gemerkt, dass es interessanterweise wesentlich mehr Anfragen von Investoren als von Tradern gibt. Und wir werden im nächsten Jahr auch eine vereinfachte Plattform ausrollen, um diesem Segment Rechnung zu tragen.

Die Inflation ist momentan in aller Munde. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?
Die subjektive Wahrnehmung, dass etwas teurer geworden ist, nimmt zunehmend an Fahrt auf. Den Einfluss auf die Kaufkraft realisiert beispielsweise jeder besonders stark, der auf das Auto angewiesen ist. Natürlich ist die Inflation in der Schweiz nicht so hoch wie im EU-Raum oder in den USA. Aber wir sind davon hierzulande nicht ausgeschlossen.

Was raten Sie also Herr und Frau Schweizer – gerade mit Blick auf ihre Finanzen?
Wenn man nichts macht, nimmt man die Geldentwertung einfach in Kauf. Das ist schade. Das muss man den Menschen erklären. Die Älteren, die das vielleicht auch aus dem Ausland mitbekommen haben, verstehen das. Die Jüngeren nehmen das noch nicht so wahr. Bei diesem Segment gibt es eine andere Herausforderung. Da sage ich: Lieber investieren als sparen. Denn junge Menschen müssen mit ihrer Altersvorsorge relativ früh beginnen. Jetzt, bei dieser Inflation, und den tiefen Zinsen ist das Sparen aber keine vernünftige Option mehr. Was macht also Sinn? Dazu gibt es keine einfache Antwort.

Es gibt viele Stimmen, die sagen, man sollte besser in Aktien investieren. Sehen Sie das auch so?
Das «besser in Aktien» muss man wirklich verstehen und sich damit auseinandersetzen. Welches Unternehmen kann beispielsweise ihre Preisen ihren Kunden tatsächlich weiterreichen und so in einem inflationären Umfeld mehr Umsatz und Gewinn erzielen. Aber gerade hier bin ich überrascht, wie gerade junge Frauen pointierte Fragen stellen. Das stellte ich unter anderem bei einem Kundenevent in Lausanne fest. Da wurde bewusst gefragt, ob man nicht auch ein Dollarkonto führen sollte. Das hat mich überrascht.

Und – soll man Dollars kaufen?
Momentan ist die amerikanische Nationalbank die einzige, welche die Inflation mit Zinserhöhungen bekämpft. Wenn die Zinsen steigen, macht das die Währung natürlich attraktiver. Und wir erwarten in diesem Zusammenhang in den USA im Juni eine weitere Zinserhöhung. Ob allerdings dieser Rhythmus weiterbehalten wird, ist eine gute Frage. Der Markt in den USA ist auch ein sensibler Markt. Dort kann man nicht einfach Zinsen erhöhen, weil die Amerikaner sehr viel auf Kredit leben. Aber dieses Jahr hat gezeigt, dass der US-Dollar – auch gegenüber dem Schweizer Franken - an Wert gewonnen hat.

Wie beurteilen Sie ein Investment in Immobilien?
Immobilien sind Sachwerte und bieten in einem inflationären Umfeld einen gewissen Schutz. Man muss aber vorsichtig sein, denn keine Bäume wachsen in den Himmel. Betrachtet man den Immobilienmarkt, hatte dieser stets Wellen von 10, 15 Jahren. Da stiegen die Preise, um anschliessend wieder abrupt abzustürzen, auch weil die Zinsen anstiegen. Wenn die Europäische Zentralbank die Massnahmen wie die Amerikanische Nationalbank aufnimmt, und die Zinsen erhöht, wird die Schweizer Nationalbank irgendwann ebenfalls folgen.

Könnte so eine Immobilienblase auf uns zukommen?
Im Moment sehe ich die Bedrohung für den Schweizer Immobilienmarkt nicht, weil wir nach wie vor ein tiefes Zinsumfeld haben, und die Menschen Immobilien weiter als einen starken Sachwert betrachten. Und zwar fast noch mehr als Gold. Denn wenn man beobachtet, wo das Vermögen der Schweizer sich befindet, ist es hauptsächlich in den Immobilien.

Viele Betriebe spüren den Fachkräftemangel. Hat die Saxo Bank ebenfalls damit zu kämpfen?
Ich habe das Gefühl, dass in den letzten Jahren gerade in der Industrie der Jugendwahn dazu geführt hat, dass man sich vielleicht bei der Suche nach Mitarbeitenden auf ein gewisses Alterssegment zu sehr einschränkte. Wenn man sich davon lösen kann, und gewillt ist, am Arbeitsplatz auch in Ausbildung und Coaching zu investieren, sieht der Arbeitsmarkt fantastisch aus.

Heisst das, dass man auch ältere Mitarbeitende, die vielleicht nicht so gut ausgebildet sind, mitnehmen und coachen sollte?
Beides. Zum einen betrifft dies sehr junge Menschen, die direkt von der Universität kommen. Denen geben wir die Chance zum Einsteigen. Dasselbe gilt für uns bei älteren Mitarbeitenden, die beispielsweise bei einem anderen Finanzinstitut frühpensioniert wurden. Damit machen wir gute Erfahrungen. Sie leisten bei uns bis zur ordentlichen Pensionierung einen hervorragenden Job.

Haben Sie konkrete Bereiche, wo Sie Mitarbeitende suchen und Mühe haben, welche zu finden?
Mühe nicht. Aber ja: Wir suchen und bekommen auch sehr, sehr spannende Profile. Und wir geben ebenfalls Quereinsteigern eine Chance. Was ich sehr gut finde an den nordländischen Modellen, ist: Sie investieren wirklich viel in die Ausbildung. Und was ich erkenne: Es gibt hierfür nicht nur Webinare, sondern auch Seminare, die Mitarbeitende aus diversen Ländern zusammenbringen. Positiv überrascht hat mich zudem, dass sie sehr gute Coaches haben, die auch regelmässig in die Schweiz kommen. Und entweder eins zu eins oder in kleinen Gruppen neues Fachwissen vermitteln.

Die Saxo Bank ist eine Online-Bank und im Raum Zürich angesiedelt. Gibt es auch Bestrebungen dahingehend, einen Fokus in Richtung Innerschweiz zu setzen?
Ich bin ein totaler Fan der Innerschweiz, wohne selber in Küssnacht am Rigi. Seit anfangs Jahr habe ich einen Luzerner-, einen Zuger- sowie einen Obwaldner-Mitarbeiter gewinnen können. Wir haben das Mobil- und Homeoffice-Modell. Und wir wollen einen Vertrag mit Regus, dem weltweit führenden Anbieter flexibler Arbeitsplatzlösungen, strategisch für die ganze Schweiz abschliessen. Das gibt uns die Möglichkeit an verschiedenen Standorten mobil einzuwählen.

Dann wird die Innerschweiz in absehbarer Zeit definitiv zum Thema?
Wir führten unlängst ein Seminar in Zug durch und hatten kürzlich in Luzern einen Event. Wir haben eine sehr grosse Kundschaft in der Zentralschweiz und sind dabei die Kadenz unserer Seminare in dieser Region zu erhöhen. Wir sehen hier tatsächlich einen Markt und nehmen auch eine gewisse Verlagerung von Zug in Richtung Luzern wahr.

Wagen wir noch ein Blick voraus. Innovativ sein, ist gerade in der jetzigen Zeit mehr denn je gefragt.
Das ist so. Deshalb machen wir beispielsweise auch bei der nächsten Studie zum Digitalbanking in der Schweiz mit. Zudem hat uns Philippe Oster, ein Professor an der Hochschule Luzern, angefragt, ob wir unser Tool für Simulationen für seine Studenten anbieten würden. Das macht man in nordischen Ländern bereits so. Das möchte ich in der Schweiz auch umsetzen, als erstes mit der Hochschule Luzern. (pd.)

www.home.saxo

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