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Zentralschweiz ist bereit für Strom ohne Atom

Die Zentralschweizer Energieproduzenten haben sich schon vor der Abstimmung am 21. Mai 2017 über die neue Energiestrategie auf eine Zukunft ohne Atomstrom eingestellt, wie eine Umfrage von «ROI-Online» zeigt.

WWZ Energie AG

«Wir sind schon vor dem vergangenen Abstimmungssonntag davon ausgegangen, dass Kernkraftwerke nach ihrer Laufzeit nicht mehr ersetzt werden, da dies weder politisch noch ökonomisch Sinn macht. Vor diesem Hintergrund ist das Abstimmungsergebnis keine Überraschung für WWZ, und das Unternehmen ist strategisch bereits entsprechend ausgerichtet», erklärt Robert Watts, Leiter Kommunikation der WWZ Energie AG. «Ein Beispiel ist ‹Circulago›, unser Projekt zur Versorgung von Quartieren der Stadt Zug mit Energie aus dem Zugersee, das wesentliche CO2-Einsparungen zum Ziel hat und somit voll auf der Linie der Energiestrategie 2050 ist. Was die Versorgungssicherheit betrifft, wird sich zeigen, ob die Massnahmen der Strategie 2050 genügen oder ob beispielsweise Gaskombikraftwerke als Brückenenergie zum Einsatz kommen.»

Elektrizitätswerk Obwalden (EWO)

Auch Thomas Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWO, ist nicht überrascht vom Abstimmungsergebnis. «Natürlich betrifft dieser Volksentscheid auch die Stossrichtungen und Arbeiten des EWO. Viele Themen haben wir aber bereits in die Wege geleitet beziehungsweise setzen wir bereits um. Komplett neue Schwerpunkte müssen wir nicht setzen.» Im vierten Quartal 2016 hat das EWO mit der Überarbeitung seiner Strategie begonnen. Sie wird noch dieses Jahr abgeschlossen. Die wichtigen Rahmenbedingungen zum Gesetz würden erst auf Verordnungsstufe festgelegt, sagt Thomas Baumgartner. «Die erste Vernehmlassung zu den Verordnungsdokumenten Anfang dieses Jahres gab uns wichtige Hinweise, in welche Richtung sich die Vorgaben entwickeln werden. Wir als EWO konzentrieren uns aber auf jeden Fall auf neue Chancen und Möglichkeiten, damit wir uns als Unternehmen mit den neuen Rahmenbedingungen positiv und nachhaltig entwickeln können.»

Elektrizitätswerk Schwyz AG (EWS)

Peter Suter, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWS, ist überzeugt, dass mit dem neuen Energiegesetz auch die Digitalisierung zunehmen wird. Aus diesem Grund beschleunige das EWS den Ausbau des «Smart Grid» (intelligentes Stromnetz) im Versorgungsgebiet. Von der Politik erhofft er sich klare und umsetzbare Rahmenbedingungen.
«Am Ausbau der erneuerbaren Energien sind wir als Energiedienstleisterin und Installationsunternehmen bereits direkt beteiligt», so Peter Suter. «Unser Unternehmen projektiert und baut Photovoltaikanlagen und dazugehörige Speicherbatterien, damit der Eigenverbrauch optimiert werden kann. Für den effizienten Umgang mit Energie bieten wir eine breite Palette an. Mit der Energieberatung, der Gebäudeautomation und dem Spannungsregler VoltControl erhöhen wir die Energieeffizienz bei unseren Kunden.»

ewl energie wasser luzern

ewl begrüsst das Ja zur Energiestrategie. Diese wird in der Stadt Luzern inhaltlich bereits verfolgt, wie Stephan Marty, CEO von ewl energie wasser luzern, erklärt. «Seit Jahren engagiert sich ewl für eine Unternehmensstrategie, die auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien ausgerichtet ist. Der Ausstieg aus der Kernenergie wurde bereits 2011 von der Bevölkerung der Stadt Luzern beschlossen», so Stephan Marty. «Die Energiestrategie 2050 gibt ewl im schwierigen Marktumfeld Stabilität und Sicherheit für zukünftige Investitionen. Damit werden die politischen Rahmenbedingungen gesetzt, die es ewl ermöglichen, sich nachhaltig weiterzuentwickeln.»
Auf nationaler Ebene werden derzeit verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie die einheimische Wasserkraft gefördert werden könnte. Stephan Marty sagt dazu: «Eine weitere Förderung der Wasserkraft kann sich ewl im Grundsatz durchaus vorstellen. Die von der Nationalratskommission UREK vorgeschlagene Lösung mit einer festen Zuteilung von inländischer erneuerbarer Energie an die gebundenen Kunden erachtet ewl jedoch als falschen Ansatz. Damit würde die Unterstützung der Wasserkraft einseitig durch die kleinen, gebundenen Kunden getragen.»

Elektrizitätswerk Altdorf AG (EWA)

«Für das EWA bringt die Energiestrategie 2050 des Bundes sowohl Chancen als auch neue Herausforderungen», sagt Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWA. «Wir wollen die Chancen proaktiv nutzen. Das EWA hat seine Unternehmensstrategie schon früh darauf ausgerichtet und setzt sie auch bereits um. Der Bau von neuen Wasserkraftwerken wie dem am Samstag, 20. Mai 2017, eingeweihten neuen Kraftwerk Bristen ist Teil davon.» Zur EWA-Strategie gehört ebenso der Bau von Gemeinschafts-Photovoltaik-Anlagen unter der Marke «mein URstrom Sun», neue Elektrotankstellen oder weitere Smart-Energy-Dienstleistungen.
Der Bund stockt im Bereich der Wasserkraft die Mittel für die Grosswasserkraft zwar auf, die Entschädigungssätze für die Kleinwasserkraftwerke – sie bilden die Mehrheit der Kraftwerke des EWA – werden aber gesenkt. «Das ist für EWA eine grosse Herausforderung», sagt Werner Jauch. «Das macht den Betrieb der Werke und vor allem auch den Bau von neuen Kraftwerken sehr anspruchsvoll. Gleichzeitig ist mit der Energiestrategie die Versorgungssicherheit ein Thema. Darin sind die heutigen und die neuen Wasserkraftwerke ein wichtiger Faktor. Generell sind bei der Umsetzung der Energiestrategie noch einige Fragen offen. Das EWA arbeitet aber aktiv daran, innovative Antworten in Form von Produkten und Dienstleistungen für seine Kundinnen und Kunden zu liefern.»

Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW)

Felix Graf, CEO der Centralschweizerischen Kraftwerke AG (CKW), attestiert dem neuen Energiegesetz, dass es wichtige Weichen in der Schweizer Energiepolitik stellt und Rahmenbedingungen für die Stromwirtschaft definiert. «Diese reichen aber für die konkrete Umsetzung der gesetzten Ziele noch nicht aus», ist er überzeugt. «Darum muss umgehend der zweite Schritt geplant werden. Priorität haben die aktuell im Bundesparlament diskutierten Lösungen für den Erhalt der bestehenden Wasserkraftwerke. Vorgesehene Hilfsmassnahmen sind unter anderem eine Abnahmegarantie und tiefere Wasserzinsen. Sie sind für die Versorgungssicherheit und damit für Wirtschaft und Gesellschaft zentral.»
Die CKW haben gemeinsam mit der Axpo einen konkreten Vorschlag für ein neues Versorgungs- und Klima-Marktmodell nach 2021 gemacht. Dieses basiert auf einer CO2-Abgabe. «So wird die einheimische Produktion im versorgungskritischen Winter gestärkt und die Klimaziele werden unterstützt», sagt Felix Graf. «Wir erwarten von der Politik, dass sie nun die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Stromversorgung setzt.»

(pf)

www.wwz.ch

www.ewo.ch

www.ews.ch

www.ewl-luzern.ch

www.ewa.ch

www.ckw.ch

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