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  • Hotel in Hospental. Verbindung durch die neue und die alte Brücke. Foto: Angel Sanchez

Uri geht digital

Dezentrale Besiedlung stellt den Kanton Uri vor Herausforderungen. Um die Grundversorgung weiterhin zu gewährleisten, sind Massnahmen nötig. Die Digitalisierung bietet spannende Möglichkeiten.

Wer im Kanton Uri wohnen möchte, hat die Wahl zwischen grösseren Ortschaften wie Altdorf oder naturnahen, abgelegenen – und meist dezentralen – Orten. Die dezentrale Besiedlung steht unter Druck. Grundversorger wie Dorfladen, Post oder Bank sind in kleinen Ortschaften immer weniger präsent. Betroffen sind insbesondere periphere Regionen, die schlecht erschlossen sind. Dies bestätigt Markus Frösch von der Koordinationsstelle Organisationsentwicklung und E-Government des Kantons Uri. Als Lösungsmöglichkeit dieser Herausforderung sieht er die Digitalisierung: «Die Digitalisierung schafft in abgelegenen Siedlungsgebieten neue Möglichkeiten, um räumliche Distanzen aufzuheben. Ziel ist es, Dienstleistungen der öffentlichen Hand und weiteren Grundversorgungsanbietern neu zu definieren und in neuen Formen anzubieten».

Der Kanton Uri beteiligt sich mit dem Projekt «Die Digitalisierung für die Grundversorgung nutzen» am Programm «Modellvorhaben nachhaltige Raumentwicklung 2020-2024» des Bundes. Das Projekt nimmt im Rahmen eines umfassenden Dialogs die Erwartungen und Wünsche der Bevölkerung hinsichtlich der digitalen Grundversorgung auf. Daraufhin findet ein Abgleich mit dem möglichen Angebot der Grundversorger statt. Leben, Wohnen und Arbeiten im Kanton Uri sollen dadurch gestärkt und verbessert werden.

Im Dialog mit der Bevölkerung

Der Dialog mit der Bevölkerung an Diskussionsabenden bildet die Grundlage der Planung. Den unterschiedlichen lokalen Voraussetzungen und Anforderungen der einzelnen Regionen im Kanton Uri wird dabei Rechnung getragen. Zwei Veranstaltungen haben im Spätsommer 2020 stattgefunden, daran teilgenommen haben 40 Personen. Diskussionspunkte waren das Kollegium in Altdorf, das für Schülerinnen und Schüler aus dezentralen Orten mit längerer Anreise verbunden ist sowie die Kinderbetreuung ab dem Schulalter und das sogenannte «Lädelisterben». «Dabei geht es um die grundlegende Frage, welche Dienstleistungen die Grundversorgung überhaupt beinhaltet», erklärt Markus Frösch. Im Frühling 2021 ist ein weiterer Austausch vorgesehen. Ebenso wird eine Online-Befragung der gesamten Urner Bevölkerung zur Verfügung stehen, um noch ein repräsentativeres Bild der Bedürfnisse zu erhalten.

Digitale Dorfplätze

Perspektiven bietet das Projekt «Mini Gmeind»: «Digitale Dorfplätze» der Gemeinden, auf denen Dienstleistungen online angeboten werden. Dadurch werden Kunden und Anbieterinnen miteinander vernetzt. Planungen dazu sind im Gange. Der Transport von Waren wird mit den Grundversorgern diskutiert und Synergien gesucht. Um Leerfahrten zu vermeiden, könnten sie beispielsweise lokal bestellte Ware ohne grosse Umwege transportieren, betont Markus Frösch.
Begleitet werden die Anlässe durch Workshops mit Dienstleistern der Grundversorgung und den Gemeinden. So besteht die Möglichkeit, auf die Erkenntnisse aus den Diskussionsabenden einzugehen und neue Kooperationsmodelle und digitale Möglichkeiten zwischen den Dienstleistern der Grundversorgung aufzubauen.

Auch ausserhalb der Digitalisierung werden dezentrale Orte bereits heute gestärkt. Beispiele dafür sind Abwasser- und Abfallentsorgung, die zentral für mehrere Gemeinden geregelt werden. Gemeindeverbände stärken die Dienstleistungen in den verschiedenen Ortschaften.

Um die Digitalisierung voranzutreiben, ist eine flächendeckende Internetverbindung nötig. Eine Herausforderung im grossflächigen und mit dezentralen Orten gespickten Kanton Uri. (nj./pd.)

Grundversorgung digital und im Dialog sichern: «Vernetzte Dörfer» im Kanton Uri

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