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  • Über 60 Prozent der Schweizer Unternehmen empfinden ihre eigene Transformation als zu langsam. Symbolbild: Pexels

Langsame Transformation

Über 60 Prozent der Schweizer Unternehmen empfinden ihre eigene Transformation als zu langsam. Gleichzeitig öffnet sich die Schere: Erfolgreiche Unternehmen bauen ihre Transformationsfähigkeit aus, während andere zurückfallen. Generative KI wird dabei zwar breit genutzt, doch nur wenige schaffen es, daraus messbaren wirtschaftlichen Mehrwert zu erzielen. Das zeigt eine neue Studie der Hochschule Luzern.

Business Transformation bleibt in Schweizer Unternehmen ein hoch relevantes Thema. Technologischer Wandel, veränderte Kundenbedürfnisse, wirtschaftlicher Druck, geopolitische Spannungen und neue regulatorische Anforderungen wirken oft gleichzeitig auf die Unternehmen ein. In diesem Umfeld reicht eine punktuelle Anpassung immer seltener aus. Die Notwendigkeit von Transformation wird in Unternehmen breit anerkannt, doch in der praktischen Umsetzung bleiben viele hinter den eigenen Ansprüchen zurück, wie der neue Business Transformation Survey 2.0 der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt. Hierfür wurden knapp 400 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger befragt.

Umsetzung bleibt grösste Herausforderung
Für eine Mehrheit der Befragten geht die Transformation zudem zu wenig schnell voran. «Unternehmen wollen Veränderung, aber viele bekommen sie nicht mit der nötigen Geschwindigkeit und Konsequenz in die Umsetzung», sagt Studienautor Jan Schlüchter. Zwar werden Transformationsinitiativen angestossen, doch es fehlt oft an klaren Verantwortlichkeiten, ausreichenden Ressourcen und einer konsequenten Fortschrittsmessung und -steuerung. Viele Unternehmen bleiben in Einzelinitiativen oder Pilotprojekten stecken, ohne diese systematisch zu skalieren. Im Vergleich zur ersten Erhebung 2022 hat sich die Schere zwischen den Unternehmen zudem weiter geöffnet. «Die Unterschiede zeigen sich besonders deutlich bei Führung, kommunikativer Begleitung, Lernfähigkeit und der nachhaltigen Verankerung von Veränderungen», so Schlüchter.

Generative KI: Mitarbeitende sind weiter als ihre Organisation
Bedingt durch Lieferengpässe, Effizienz- und Leistungsdruck gewinnt generative KI als zusätzlicher Transformationsimpuls klar an Bedeutung. Sie ist in vielen Unternehmen bereits im Arbeitsalltag angekommen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass es viele Unternehmen aber noch nicht schaffen, daraus messbaren wirtschaftlichen Mehrwert zu erzielen. «Viele Mitarbeitende sind im Umgang mit generativer KI weiter als ihre Organisation. Die Umsetzungsfähigkeit von
Unternehmen, generative KI in konkrete Anwendungen, Prozesse und Wertschöpfung zu führen, hinkt hinterher», so Schlüchter. Entsprechend lassen sich nach Einschätzung der Befragten Unternehmen in Bezug auf ihre KI-Reife als «Anfänger» bzw. «Entdecker» kategorisieren; «KI- Champions» sind bis jetzt nur wenige. Je weiter ein Unternehmen in puncto generativer KI ist, desto höher ist auch die wahrgenommene Zielerreichung der Transformation.

KI im Einkauf: strategisch geplant, operativ erst begrenzt umgesetzt
Gerade im Einkauf wird die Lücke besonders deutlich. Eine ergänzende Erhebung unter 74 Einkaufsfachleuten – überwiegend aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Handel – zeigt: Die Motivation, KI im Einkauf einzusetzen, ist hoch. KI wird als Chance gesehen, die Rolle des Einkaufs zum strategischen Werttreiber weiterzuentwickeln, indem Potenziale und Alternativen im Beschaffungsmarkt sichtbar werden, Risiken früher erkannt und mehr Transparenz entlang der Lieferkette entsteht. Fehlende Kompetenzen, begrenzte Ressourcen und unklare Verantwortlichkeiten erschweren jedoch die konsequente Integration in bestehende Abläufe. «Der Engpass liegt damit nicht beim Wollen, sondern bei der organisatorischen Befähigung und Skalierung», sagt Jan Schlüchter.

Nicht die Technologie, sondern die Führung entscheidet
Die Studie zeigt ebenfalls klar: Erfolgreich transformieren sich nicht die Unternehmen mit dem grössten Problembewusstsein, sondern jene, die Veränderungen konsequenter führen, umsetzen und verankern. «Transformation ist keine Sammlung von Einzelprojekten, sondern eine Führungsaufgabe, die konsequent gesteuert und in der Organisation verankert werden muss», sagt Schlüchter. Für Führungskräfte ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Nicht die Verfügbarkeit neuer Technologien entscheidet über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, diese in nachhaltige Wertschöpfung zu übersetzen. Die Studie identifiziert zehn konkrete Handlungsempfehlungen, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Transformations- und KI-Initiativen wirksamer zu steuern. Die stärksten Hebel liegen bei sichtbarer und entscheidungsstarker Führung, klarer gemeinsamer Orientierung, offener Kommunikation über Fortschritt, regelmässiger Messung sowie einer Kultur, die Lernen und Scheitern als Teil von Entwicklung zulässt. (pd.)

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