Fokus
Eine Ersatzquote von mehr als 60 Prozent ist nötig, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Bild: IStock.
Rente über der Zielgrösse
Drei von vier Erwerbstätigen halten eine Ersatzquote von mehr als 60 Prozent für nötig, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Als sozialpolitische Zielgrösse gelten rund 60 Prozent aus AHV und beruflicher Vorsorge. Das zeigt der VorsorgeDIALOG 2026 des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern, eine schweizweit repräsentative Umfrage unter 1’258 Angestellten.
Zum sechsten Mal hat die Hochschule Luzern mit dem VorsorgeDIALOG das Finanz- und Vorsorgewissen der Schweizer Erwerbsbevölkerung untersucht. Die Daten stammen aus einer Onlineumfrage, die das Marktforschungsinstitut Intervista zwischen dem 17. und 26. Juni 2026 unter 1’258 Angestellten im Alter von 20 bis 65 Jahren erhoben hat. 47 Prozent der Befragten sind Frauen, 53 Prozent Männer, das Durchschnittsalter liegt bei 44 Jahren. Unterstützt wurde die Studie von der PensExpert AG, der PKG Pensionskasse und Rothschild & Co Wealth Management.
Das Fokusthema der Ausgabe 2026 sind die Erwartungen der aktiv Versicherten an die Altersvorsorge: die erforderliche Höhe der Altersleistungen, die bevorzugte Bezugsform des Alterskapitals und die Beurteilung verschiedener Rentenmodelle.
Sechzig Prozent genügen den meisten nicht
Die AHV soll zusammen mit der beruflichen Vorsorge den gewohnten Lebensstandard im Alter in angemessener Weise ermöglichen. Angestrebt wird eine Ersatzquote von rund 60 Prozent des letzten Erwerbseinkommens. Die Erwartungen der Befragten liegen darüber. Drei von vier erachten mehr als 60 Prozent als erforderlich, um sich im Alter finanziell gleich gut abgesichert zu fühlen wie heute. 15 Prozent genügen 60 Prozent oder weniger.
«Jede dritte befragte Person sieht sogar einen Wert von über 80 Prozent als notwendig, um den heutigen Lebensstandard halten zu können», sagt Studienleiterin Prof. Dr. Yvonne Seiler Zimmermann, Institut für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern.
Kapital, Rente oder beides
Bei der Bezugsform des Alterskapitals entscheidet sich die Hälfte der Befragten aus heutiger Sicht für eine Kombination aus Kapital und Rente. Der reine Rentenbezug wird häufiger genannt als der reine Kapitalbezug. Über 80 Prozent fänden es positiv, wenn ihre Vorsorgeeinrichtung verschiedene Rentenmodelle anbieten würde.
Wie stark ein Modell zieht, hängt von seiner Ausgestaltung ab. 60 Prozent der Befragten geben an, Modelle mit Wahlmöglichkeiten bei der Rentenhöhe würden ihre Bereitschaft erhöhen, das Guthaben als Rente statt als Kapital zu beziehen. Unter jenen, die eine Kombination bevorzugen, sind es über 70 Prozent.
Vorsorgewissen hinkt nach
Mehr Wahlmöglichkeiten setzen mehr Eigenverantwortung voraus. «Zwar hat sich das Finanz- und Vorsorgewissen gegenüber dem Vorjahr verbessert, aber das Vorsorgewissen bleibt deutlich hinter dem Finanzwissen zurück», sagt Seiler Zimmermann. Wissenslücken bestehen laut Studie vor allem bei der persönlichen Altersvorsorge. Viele Versicherte sind sich dieser Lücken nicht bewusst, und ein erheblicher Teil versteht den eigenen Vorsorgeausweis nicht ausreichend.
Die Studie folgert, mehr Flexibilität in der Altersvorsorge erhöhe den Bedarf an verständlichen Informationen, Bildungsangeboten und Beratung, damit Versicherte die Konsequenzen ihrer Entscheide beurteilen können. (hslu/pd.)
Studie «VorsorgeDIALOG 2026» als PDF