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  • Tobias Lengen, Geschäftsführer OdA und stellvertretender Direktor des Bildungszentrums XUND. (Bild: PD)

Mit Menschen, für Menschen

Der Bedarf an Pflegefachpersonen ist immens. Das ist eine Chance für Quereinsteigende, unabhängig ihrer Erstausbildung. Weshalb dem so ist, erklärt Tobias Lengen, Geschäftsführer OdA und stellvertretender Direktor des Bildungszentrums XUND.

Tobias Lengen, wie ist die aktuelle Lage?
Tobias Lengen: Von 2019 bis 2029 werden in der Zentralschweiz rund 14000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, also 1400 jährlich. Zum Vergleich: 2020 wurden 1000 Diplome, Fähigkeitszeugnisse und Atteste überreicht. Die Lücke ist klar ersichtlich.

Wie soll diese Lücke geschlossen werden?
In den letzten Jahren konnte dank der Gesundheitsbetriebe die Zahl der Ausbildungsabschlüsse in den Pflegeberufen auf allen Stufen deutlich gesteigert werden. Das allein reicht jedoch nicht. Weitere Anstrengungen sind nötig.

Welche?
Wir müssen Wiedereinsteigerinnen nach der Familienpause zurück- gewinnen. Auch werden wir uns künftig noch intensiver um Quereinsteigende bemühen, also Fachkräfte mit einer Grundausbildung in einem anderen Beruf.

Wie hoch ist der Anteil an Quereinsteigenden?
Zurzeit sind es an der Höheren Fachschule Pflege bei XUND rund 150 Personen, das sind 20 Prozent aller Pflegestudierenden. Unser Ziel ist es, diesen Anteil in den nächsten Jahren deutlich zu steigern.

Was unternimmt XUND hierfür?
Mit der neuen Kampagne einstieg-pflege.ch im Auftrag der Zentralschweizer Gesundheitsbetriebe und unterstützt von den Kantonen motivieren wir potenzielle Querein- steigende für die Pflege. Wir wollen ihnen die Möglichkeiten in diesem Bereich aufzeigen. Viele wissen beispielsweise nicht, dass als Zulassung für die Ausbildung zur Pflegefachperson an der Höheren Fachschule eine abgeschlossene Grundbildung reicht, also ein Lehrabschluss
oder eine Matura. Die Kampagne unterstützt potenzielle Quereinsteigende bei ihrer Entscheidung mit entsprechenden Informationen zum Beruf, zur Ausbildung und zur Finanzierung der Ausbildungszeit. Zudem werden Kontakte zu Ausbildungsbetrieben sowie ein Instrument zur Selbsteinschätzung für das Lernen auf Stufe der Höheren Fachschule angeboten.

Worin liegen die Chancen für Quereinsteigende?
Sie verfügen aufgrund ihrer Vorbildung und Berufserfahrung über einen wertvollen Rucksack. Davon können sie in ihrer Arbeit in der Pflege profitieren – und letztlich auch die Patientinnen und Patienten.

Was macht die Pflege attraktiv?
Es ist ein sinnstiftender Beruf mit Menschen, für Menschen. Und er ist konjunktursicher. Zudem gibt es
interessante Entwicklungsperspektiven.

Was spricht für einen Wiedereinstieg nach der Familienpause?
Es ist die Rückkehr zur Berufung, zum erlernten Beruf. Zudem sind Berufs- und Lebenserfahrung in den
Institutionen gefragt. Unsere Kampagnenplattform www.wiederein-steigen.ch unterstützt Wiedereinsteigerinnen bei diesem Schritt.

Ihr Wunsch?
Eine nachhaltige Verbesserung der Situation. Dazu zählt auch die Erhöhung der Berufsverweildauer. Hierfür sind attraktive und zeitgemässe Arbeitsbedingungen unabdingbar. Damit meine ich einerseits die Arbeitszeit und den Lohn, andererseits aber auch Faktoren wie die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Freizeit, die Führungskultur, den Umgang mit physischer und emotionaler Belastung der Mitarbeitenden.

XUND Bildung Gesundheit Zentralschweiz
XUND vereint das Bildungszentrum Gesundheit und die OdA (Organisation der Arbeitswelt) Gesundheit der Zentralschweiz. Die Mission von XUND ist die bedarfsgerechte Aus- und Weiterbildung von genügenden und qualifizierten Gesundheitsfachkräften für die Region. Bei XUND bilden 115 Mitarbeitende und über 450 externe Dozierende Gesundheitsfachkräfte aus und begleiten Interessierte – über die gesamte Laufbahn von der Berufswahl bis zur Weiterbildung. Die OdA XUND setzt sich als Berufsbildungsverband für bestmögliche Rahmenbedingungen für die Aus- und Weiterbildungen ein und ist verantwortlich für das Berufsmarketing. Das Bildungszentrum XUND bietet an den Standorten Luzern und Alpnach ein breites, praxisnahes Aus- und Weiterbildungsangebot «aus einer Hand» für rund 2750 Lernende und Studierende an – z. B. von Fachpersonen Gesundheit über dipl. Pflegefachpersonen bis hin zur dipl. Expertin Intensivpflege. Es ist schweizweit das einzige Bildungszentrum, das von 175 Zentralschweizer Gesundheitsbetrieben getragen wird. (nj.)

www.xund.ch

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