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Leadership heisst, sich selber zu kennen

«Gnothi seauton» stand über dem Apollon-Tempel in Delphi: «Erkenne dich selbst.» Die antike Weisheit ist so aktuell wie eh. Namentlich Führungskräfte sollten sie sich auf die Fahne schreiben. Manager ohne Selbstkenntnis versagen häufig. Wer dagegen seine Stärken und Schwächen kennt, hat gute Chancen, als Leader erfolgreich zu sein.

Kennen Sie einen Vorgesetzten, der alles selber macht, weil er glaubt, er könne alles besser? Oder eine Chefin, die ihren Laden auf Vordermann bringen will, indem sie so richtig auf die Pauke haut – und dabei eine Angstkultur produziert? Oder den Mutlosen, der sich überall absichert, um ja keinen Rüffel von oben und keinen Einspruch von unten einzufangen? «Sie alle könnten wachsen, als Persönlichkeit und als Leader, wenn sie sich mit ihren eigenen Schwächen konfrontieren würden: mit ihrer mangelnden Fähigkeit, Vertrauen zu schenken, mit der Fehleinschätzung ihrer eigenen Wirkung auf andere, mit ihrem Harmoniebedürfnis», sagt Dr. Richard Egger, Studiengangleiter an der Hochschule Luzern, Management-Trainer und Organisationsberater.

Auf der andern Seite gibt es auch Führungspersönlichkeiten, die wissen, was sie können und was nicht. Die wissen, womit sie Schwierigkeiten haben, und sich hier weiterentwickeln. Die sich aber auch ihrer eigenen Kompetenzen bewusst sind und sie zur Wirkung kommen lassen. Kurzum: Chefs, die ihre eigenen Schwächen genauso kennen wie ihre Stärken.

«Wenn Führungskräfte an Grenzen kommen, liegt es in den meisten Fällen daran, dass sie sich wenig mit der Frage beschäftigt haben, wo sie stark sind und wo nicht», sagt Egger. Und umgekehrt beruhe der Erfolg eines Chefs zum guten Teil darauf, dass er genau weiss, was er gut kann und was weniger. «Kurzum, Leadership gründet vor allem auf der Kenntnis der eigenen Persönlichkeit, weniger auf Techniken und Skills, die man in Seminaren eintrainiert», ergänzt Egger. Leadership entwickle sich aus der fortgesetzten Auseinandersetzung mit dem eigenen Charakter: «Was kann ich gut? Wo stosse ich an Grenzen? Wo liegen meine Stärken? Womit habe ich Mühe? Was macht mir Angst? Wo stosse ich immer wieder auf Widerstand? Und was hat das alles mit meiner Lebens- und Entwicklungsgeschichte zu tun?»

«Sich selber genau zu kennen, ist allerdings keine Tugend, die besonders hoch im Kurs steht, und auch keine, die man auf die Schnelle erwirbt. Aber sie lässt sich lernen», sagt Richard Egger. Dazu sei weder der Gang zum Psychologen noch der Glaube an Heilslehren nötig. Es brauche zuallererst die Entscheidung, diesen Weg zu gehen, statt nach einfachen Tipps und Tricks zu suchen. «Und dann gilt es die richtigen Sparringpartner zu finden, im geschäftlichen und privaten Umfeld oder im Dschungel der Weiterbildungsszene. Partner, die ihrerseits nicht an Heilslehren glauben, sondern sich mit der Führungskraft auseinandersetzen, wohlwollend, kritisch und hartnäckig.» Der Weisheit Apollons folgend, dass kein Weg zum Erfolg an der Konfrontation mit der eigenen Persönlichkeit vorbeiführt.

Führungskompetenz ist auch für Finanzfachleute sowie Ingenieurinnen und Ingenieure in entsprechenden Positionen von zentraler Bedeutung. Deshalb bietet die Hochschule Luzern das «CAS Führungskompetenz für Finanzfachleute» (www.hslu.ch/c103) und das «CAS Führungs-College für Ingenieure/-innen» (www.hslu.ch/c245) an. (nj.)

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