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  • André Egli, Leiter Treuhand und Mitglied der Geschäftsleitung von Balmer-Etienne AG. Bild PD

KMU-Nachfolge anders gedacht

Eine KMU-Nachfolge ist in der Regel eine emotionale Angelegenheit. Nachfolgeberaterinnen und -berater konzentrieren sich vielfach direkt auf den Transaktionsprozess. Erfahrungen von Balmer Etienne zeigen aber, dass die vor- und nachgelagerten Arbeiten im Nachfolgeprozess ebenso entscheidend sind.

«Erfolgt eine Nachfolge im KMU-Umfeld familienintern oder mittels Management-Buyout (MBO), so müssen die Übergeber und Nachfolger sehr gut und eng zusammenarbeiten», betont André Egli (49), Leiter Treuhand und Mitglied der Geschäftsleitung von Balmer-Etienne AG. Je besser das Zusammenspiel, desto höher sei die Erfolgsquote. «Somit kommt dem eigentlichen Nachfolgeprozess eine gewichtige Rolle zu. Der Übergeber und Nachfolger befinden sich in diesem Nachfolgeprozess oftmals nicht ‘am gleichen Ort’, müssen sich unterschiedlich transformieren und verfügen natürlich auch über unterschiedliche Interessen», folgert André Egli.

Aus Sicht der Übergabe

Der Übergeber ist tendenziell älter als der Nachfolger und befindet sich eher im «Pensionierungsmodus». Er möchte seine Firma zu einem für ihn «richtigen» Preis verkaufen, beziehungsweise. weitergeben. «Dieser Preis kann sich von einem effektiven Unternehmenswert unterscheiden, indem er dem Nachfolger die Firma zu Vorzugskonditionen weitergibt. Damit dies steuerlich für ihn optimal abläuft, sind Struktur der Firma, Dividendenpolitik und Vorsorgesituation (Einkäufe in Pensionskasse) optimal aufeinander abzustimmen», erklärt André Egli. Eine Pensionierungsplanung helfe dabei, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Frühzeitig müsse überlegt werden, wie die Verantwortung, beziehungsweise Führung innerhalb der Firma abgegeben werden könne. «Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin wird sich nie richtig entfalten, solange der Übergeber weiterhin die gleiche Position und Stellung innerhalb der Firma einnimmt», führt Andre Egli weiter aus. Ist dann die Transaktion erfolgt, liegt der Fokus klar auf dem Rückzug der bisherigen Besitzerschaft aus der Firma. Erfahrungen zeigten, dass es nicht einfach sei, das Lebenswerk «abschliessend» loszulassen, was auch heisst, dass eine neue Beschäftigung gesucht werden muss. Dazu gehört mitunter, sich sein Umfeld neu zu arrangieren. Empfehlenswert ist ebenfalls, die Situation im Bereich Ehe-/Erbschaft abschliessend zu regeln», formuliert André Egli die Planungsschritte.

Aus Sicht der Nachfolge

Der Nachfolger befindet sich im Zeitstrahl an einem anderen Ort. Nicht selten muss er zuerst vom Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin zum Unternehmer, zur Unternehmerin mutieren, was nicht über Nacht erfolgen kann. Ob das gelingt, zeigt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt. Der Firmenkauf ist zu finanzieren, was mehrheitlich über Bank- oder Drittdarlehen erfolgt. «Im KMU-Umfeld hilft der Übergeber des Öfteren mit Verkäuferdarlehen aktiv mit. Hierzu ist ein sauberes Finanzierungskonzept inkl. detaillierter Finanzplanung über die nächsten 3 bis 5 Jahre wichtig, um Stresssituationen schon vorher antizipieren zu können. Die Schulden sind nach Möglichkeit schnellstmöglich zurückzuführen. Im Finanzierungskonzept ist auch die private Absicherung bei Invalidität oder Tod inklusive Familienabsicherung zentral», erklärt André Egli. Nach der Transaktion belaste es die Nachfolger, alles unter einen Hut bringen zu müssen. Das treibe die Akteure häufig ans Limit. «Empfehlenswert ist es deshalb, wenn ein Sparringpartner ausgesucht wird (als Drittperson oder Verwaltungsrat), damit ein Austausch möglich wird und die Entscheidungen nicht allein getroffen werden müssen. Nach einer gewissen Zeit lohnt es sich, der Firma mit einer Markenüberprüfung eine eigene Handschrift zu geben und sich unter Umständen strategisch (neu) zu positionieren», hält André Egli fest.

Transaktionsprozess

Im Transaktionsprozess werden die Verträge und Dokumente erstellt: Kaufverträge, Darlehensverträge, Steuerrulings, Aktionärbindungsverträge etc. Wenn beide Parteien wissen, was sie wollen, so ist deren Erstellung in der Regel gut umsetzbar. Es braucht dazu einen Partner, welcher über vernetzte Fachkompetenz in den verschiedenen Gebieten verfügt, sodass keine negativen Überraschungen eintreten. «Es sind also eine Vielzahl von Aufgaben, die im Nachfolgeprozesses zu lösen sind. Der Weg ist das Ziel und dieser Weg sieht bei jeder Nachfolge anders aus. Einfacher und erfolgsversprechender ist es, wenn sich die Beteiligten einen Sparringpartner für den Prozess aussuchen, wo ein offener und ehrlicher Austausch stattfindet. Eine Nachfolge soll ja nur einmal erfolgen», resümiert André Egli.

Balmer Etienne

Balmer-Etienne AG ist das grösste kleine Treuhandbüro der Deutschschweiz. Mit ihren drei Sitzen in Luzern, Stans und Zürich und 130 Mitarbeitenden vereint sie alle vernetzten Fachkompetenzen, welche in einem Nachfolgeprozess wichtig und nötig sind. (red.)

https://balmer-etienne.ch/

 

 

 

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