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Fokus

Kabotageverbot schützt Schweizer Transporteure

Die Schweiz – insbesondere die Zentralschweiz – leidet unter dem internationalen Schwerverkehr auf den Strassen. Die Verlagerung auf die Schiene findet nicht statt, unter anderem weil der Strassentransport wegen der Ausbeutung osteuropäischer Chauffeure zu billig ist. Dank des Kabotageverbots können sich die Schweizer Transporteure dieser Lohndrückerei entziehen.

Die Arbeitsbedingungen der ausländischen Fahrer sind so mies, weil westliche Firmen ihren Fuhrpark teilweise oder ganz in den Osten ausgelagert haben, um Kosten zu sparen. Deshalb sind auf westeuropäischen Strassen – unter anderem auch auf der Gotthardroute – viele osteuropäische Fahrer unterwegs, die zu osteuropäischen Löhnen arbeiten. Was eigentlich illegal ist, weil dadurch die Mindestlöhne der westlichen EU-Staaten unterlaufen werden.

Verbot muss bleiben

Im Binnenverkehr der Schweiz dürfen gemäss geltendem Recht Güter- und Personentransporte auf der Strasse nur mit Fahrzeugen durchgeführt werden, die im Inland immatrikuliert sind (Kabotageverbot). Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG setzt auf diese Schweizer Qualität. An der Delegiertenversammlung 2018 in Luzern wurde deshalb einstimmig eine Resolution zuhanden des Bundesrats verabschiedet. Die Hauptforderung ist, dass am bestehenden Kabotageverbot in den Verhandlungen mit der EU nicht gerüttelt wird. «Transporte mit ausländischen Lastwagen und Cars innerhalb der Schweiz dürfen auf keinen Fall erlaubt werden», sagt die ASTAG. Für Experten ist klar: Schweizer Transporteure zahlen ihren Chauffeuren faire Löhne. Wenn das Verbot fällt, werden auch sie gezwungen sein, ausländische Chauffeure zu Billiglöhnen zu beschäftigen.

Multimedia-Reportage

Was das bedeutet hat die «Alpeninitiative» eindrücklich vor Augen geführt. Sie hat eine Multimedia-Reportage ermöglicht. «Unter welchen Bedingungen leben und arbeiten Lastwagenchauffeure im internationalen Strassentransport?» Dieser Frage sind der Luzerner Fotograf und Filmer Fabian Biasio und die Journalistin Susan Boos nachgegangen. Die Vernissage zur Mulitmedia-Reportage fand kürzlich in Luzern statt. Jon Pult, Präsident des Vereins Alpen-Initiative, erklärte an der Veranstaltung: «Wir haben uns gefragt, warum es mit der Verlagerung nicht vorwärts geht. Und da haben wir realisiert: Solange die LKW-Fahrer unter so miserablen Bedingungen arbeiten müssen und dermassen ausgebeutet werden, wird die Schiene nie konkurrenzfähig sein.»

Am Event betonten mehrere Exponenten, dass die Schweiz in dieser Beziehung dank des Kabotageverbots eine Insel ist. Wenn es fällt, ist zu befürchten, dass eine regelrechte Lastwagen-Lawine aus der EU auf die Schweiz zurollt – mit verheerenden, ja existenzbedrohenden Folgen für das hiesige Transportgewerbe. Unter anderem käme die bewährte Verlagerungspolitik buchstäblich unter die Räder von osteuropäischen Billigst-Transporteuren, die im Hochlohnland Schweiz aufgrund von massiven Lohnunterschieden so intensiv Kabotage durchführen würden wie in keinem anderen Land.

reportage.alpeninitiative.ch

www.alpeninitiative.ch

www.astag.ch

 

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