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  • Norbert Kühnis verantwortet Die Studie «Generation Töchter» des Beratungsunternehmens PwC. Bild PwC

«Jungen Frauen fehlen Vorbilder»

Die Studie «Generation Töchter» des Beratungsunternehmens PwC leuchtet die Rolle von Frauen im Nachfolgeprozess von Schweizer Familienunternehmen aus. Das Resultat ist ernüchternd: Viele Familienunternehmen lassen sich das Ressourcenpotenzial ihrer Nachfolgerinnen entgehen. Der PwC-Studienverantwortliche Norbert Kühnis im Interview

Die PwC-Studie «Generation Töchter» fasst Antworten und Meinungen von 189 Frauen im Alter von 20 bis 45 Jahren aus Schweizer Familienunternehmen zusammen. Obwohl Chancengleichheit über die letzten Jahre an Bedeutung gewonnen hat, nimmt ein grosser Anteil der Studienteilnehmerinnen keine aktive Rolle im familieneigenen Unternehmen ein. Für die Nachfolge oder eine Position in der operativen Führung werden noch immer Söhne bevorzugt, sogar wenn talentierte Töchter am Start sind.

Norbert Kühnis, Leiter Familienunternehmen & KMU und Mitglied der Geschäftsleitung von PwC Schweiz, erläutert im Gespräch, wie es zu dieser Studie kam und was er Schweizer Inhaberfamilien für einen erfolgreichen Nachfolgeprozess empfiehlt.

Wie ist die Idee zur Studie «Generation Töchter» entstanden?

Aus zahllosen Gesprächen mit Inhaberfamilien, Jungunternehmerinnen und -unternehmern haben wir festgestellt, dass die weibliche Nachfolge in den Familienunternehmen viel zu selten adressiert wird. Mit der Studie «Generation Töchter» wollten wir das ändern und den Nachfolgerinnen eine Stimme geben. Wir erhielten enorm viele Rückmeldungen, als hätten wir ein Ventil geöffnet für alles, was schon lange hätte gesagt werden müssen. Die zahlreichen Kommentare und Tipps der befragten Nachfolgerinnen machen die Studie authentisch.

Welches sind für Sie die wichtigsten Erkenntnisse?

Offenbar fehlen den jungen Frauen die weiblichen Vorbilder und der Austausch mit anderen Nachfolgerinnen. Beides wäre wichtig, um eine Nachfolge beherzt anzutreten. Noch immer bekleiden deutlich weniger Frauen eine CEO-Position als Männer. Und: Schweizer Familienunternehmen lassen noch viel zu oft eine wesentliche Ressource ungenutzt.

Aus diesem Grund haben wir von PwC vor vielen Jahren unseren NextGen & YoungLeaders Club gegründet. Hier können junge Unternehmerinnen und Unternehmer im lockeren Ambiente Wissen, Erfahrungen oder Meinungen austauschen und ihr Netzwerk ausbauen. Mit dieser Plattform richten wir uns an junge Führungskräfte aus Unternehmerfamilien, die eine aktive Funktion im Management oder Verwaltungsrat innehaben oder zeitnah anstreben.

Wie hat der Markt auf die Studie reagiert?

Wir erhielten ein überwältigendes und durchwegs positives Feedback, nicht nur von den Nachfolgerinnen selbst, sondern auch von Inhaberinnen und Inhabern. Das lässt vermuten, dass wir den Nerv der Zeit getroffen haben. Zurzeit führe ich gerade viele Gespräche mit Unternehmerfamilien, um die Studienresultate für das Unternehmen zu deklinieren. Dieser Dialog macht einmal mehr deutlich, dass man das Thema Nachfolge innerhalb der Familie nie zu früh angehen kann. So führen wir häufig Workshops durch und helfen den Familien und Unternehmen, Antworten auf Kernfragen der Nachfolgeplanung zu finden. Eine moderierte Auseinandersetzung mit diesem hoch emotionalen Thema kann ich nur empfehlen.

Was möchten Sie den Unternehmerfamilien mitgeben?

Wichtig ist, dass eine Unternehmerfamilie den Dialog frühzeitig sucht und mit allen Generationen und Geschlechtern über die Nachfolge spricht. Denn: Wer will, soll können und dürfen.(red.)

https://www.pwc.ch/de.html

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