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  • Stereotypen abbauen: Martin Barth, CEO World Tourism Forum Lucerne. Bild: WTFL

Im Tourismus fehlen Kaderfrauen

Manko im Tourismus: Nicht einmal ein Fünftel aller C-Level-Positionen sind mit Frauen belegt. Sogar nur jeder zwanzigste CEO ist eine Frau. Und das, obwohl die Reise- und Tourismusbranche gesamthaft gesehen gleich viele Frauen wie Männer beschäftigt. Das zeigt eine Studie der Plattform World Tourism Forum Lucerne und Aptamind Partners.

Die Zahlen im neusten Bericht  der internationalen Luzerner Tourismusplattform World Tourism Forum Lucerne und Aptamind Partners sind deutlich: Trotz der insgesamt ausgewogenen Geschlechterverteilung, beträgt der Frauenanteil im mittleren Management der Reise- und Tourismusbranche nur 40 Prozent, im oberen Management noch 33 Prozent. Auf der C-Level Stufe sind gerade mal 19 Prozent der Stellen mit Frauen besetzt. Nur fünf Prozent der Unternehmen werden von einem weiblichen CEO geleitet. Ähnliche Zahlen zeigen sich auf der Vorstandsebene, wo 24 Prozent der Vorstandsmitglieder Frauen sind und 8 Prozent der Vorstände überhaupt keine Frauen enthalten. Untersucht wurden die Top 100 der börsennotierten Unternehmen aus der Reise- und Tourismusbranche weltweit.

Pandemie verstärkt Ungleichheiten

Mit der Corona-Krise haben sich die systemischen Ungleichheiten noch verstärkt. Besonders die Bereiche, in denen Frauen überproportional vertreten sind, wie etwa das Gastgewerbe, die Reisebranche und der Einzelhandel, sind von den Auswirkungen der Pandemie am stärksten betroffen. «Wir müssen die aktuelle Krise zum Anlass nehmen, um Geschlechterstereotypen abzubauen, die Organisationskultur zu verändern und uns für die Stärkung der Frauen in allen Sektoren einzusetzen», sagt Prof. Martin Barth, Präsident und CEO der Plattform World Tourism Forum Lucerne und folgert: «Mehr Diversität führt zu einer besseren Qualität von Entscheiden und das wiederum zu besseren Ergebnissen.»

Druck aufbauen

Diversität und Inklusion ist einer der vier Grundpfeiler des World Tourism Forum Lucerne, das mit spezialisierten Gefässen wie einem eigenen Think Tank, den «Next Generation Leaders», dem «Talent Boost» oder dem «Start-Up Innovation Camp» eine ausgezeichnete Grundlage für den Dialog mit internationalen Stakeholdern und führenden Persönlichkeiten zum Thema Diversität und Inklusion bietet.

Während 24 Prozent der Führungskräfte in Unternehmen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie Frauen sind – der höchste Anteil in der Branche – liegt der Kreuzfahrtsektor mit 10% weit zurück. Bei den weiblichen Vorstandsmitgliedern haben Hotels mit 29 Prozent die Nase vorn. Das Schlusslicht bilden Casinos und Unterhaltungsunternehmen mit einem Frauenanteil von 19 Prozent.

«Während viele Organisationen an vielversprechenden Lösungen arbeiten und bedeutende Schritte unternommen haben, um die Verteilung der Geschlechter zu adressieren, hat dies noch nicht zu grundlegenden Änderungen geführt», sagte Aradhana Khowala, CEO und Gründerin von Aptamind Partners und Vorstandsmitglied beim World Tourism Forum Lucerne. «Der Druck zur Offenlegung von Diversitätsdaten wird nach der Pandemie zunehmen und Unternehmen dazu bewegen, ihren Kurs auch längerfristig zu korrigieren.» 

Konkrete Lösungen

All dies zeigt, dass Handlungsbedarf besteht. Im Bericht werden konkrete Empfehlungen ausgesprochen, wie die Gleichstellung der Geschlechter verbessert werden kann: «Private Unternehmungen müssen ihre Bemühungen zur Diversität und Inklusion verstärken. Geplant sind weitere Studien, gemeinsame Initiativen mit der Industrie, konkrete Aktionspläne, ein Diversity-Index und Beratungen zusammen mit interessierten Partnern. Wir freuen uns über neue Partnerschaften, die diesen Weg mit uns gemeinsam beschreiten möchten», so Martin Barth.

Details zum Bericht

Für den Bericht  wurden Daten von 100 börsennotierten Unternehmen der Reise- und Tourismusbranche aus den Bereichen Hotels, Casinos und Unterhaltung, Fluggesellschaften und Flughäfen, Online-Reisebüros und Reiseunternehmen, Kreuzfahrten, Restaurantketten/Lebensmittel- und Getränkehersteller analysiert. Zusammen beschäftigen sie 6,2 Millionen Menschen in 120 Ländern und haben eine Marktkapitalisierung von mehr als 1,6 Billionen Dollar. 

Das  World Tourism Forum Lucerne
Das World Tourism Forum Lucerne (WTFL) ist eine Schweizer Institution mit Sitz in Luzern, die sich in den letzten zehn Jahren von einer Organisation, die Treffen einberuft, zu einem ganzjährigen Netzwerk von Führungskräften und Vordenkern entwickelt hat, die sich mit globalen Herausforderungen in der Reise-, Tourismus- und Hotelbranche auseinandersetzen. Die Veranstaltungen bringen hunderte von Führungspersönlichkeiten aus der ganzen Welt zusammen, die ein gemeinsames Interesse daran haben, praktische Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung der Reise-, Tourismus- und Hospitality-Branche weltweit zu finden.
Das WTFL bietet eine einzigartige Plattform, wo drei Generationen von Vertreterinnen und Vertreter aus der Branche, der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand zusammenkommen und voneinander lernen können. Alle zwei Jahre findet ein Forum statt. Es ermöglicht eine Interaktion zwischen verschiedenen Personen, deren Wege sich normalerweise nicht kreuzen würden und basiert auf der Idee, dass neue Ideen oft gerade durch den Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Sichtweisen entstehen. Heute ist das WTFL eine globale Gemeinschaft, in der alle Interessierten zusammenkommen können, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung, Alter, Religion, Bildung oder körperlichen Fähigkeiten.

Aptamind Partners 
Aptamind Partners ist ein Beratungsunternehmen für Privatkunden, das Führungskräften in Regierungen, aufstrebenden Destinationen, Unternehmen des öffentlichen und privaten Sektors und zunehmend auch Organisationen des sozialen Sektors hilft, die Auswirkungen des Tourismus als Change Agent zu verstehen. Ihr einzigartiger, firmeneigener Ansatz liefert privilegierte Einblicke und fein kalibrierte Strategien durch die Kombination von Daten, sozialer Stimmungsanalyse und investigativer Forschung vor Ort, unterstützt durch ein Netzwerk von Best-in-Class-Experten, um neue Wachstumsquellen zu erschließen, besonders in schwierigen Zeiten. (pd./red.)


Der Bericht

https://www.wtflucerne.org/

https://www.aptamind.com/

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