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Die smarten Taktgeber der Luzerner Gastronomie

Das Luzerner Restaurant Storchen hat ab November 2019 wieder eine Zukunft. Das ermöglichen die «Bodu»-Patrons Luca Eichmann und Samuel Vörös. Ein Blick hinter die Kulissen der regionalen Gastronomieszene zeigt: Es sind im Kern fünf kreative Unternehmen, die den Takt angeben. (Bild: Natalie Boo, AURA)

Die Medienmitteilung der Schatz AG von Ende Juni 2019 appellierte ans Herz: «Nach unzähligen Spekulationen seit der Schliessung bis hin zum Worstcase - einer unbenutzten Liegenschaft inmitten der Luzerner Altstadt - ist die Zukunft des Storchens jetzt gesichert. Ein Team um die Bodu-Patrons Luca Eichmann und Samuel Vörös übernimmt den Betrieb als optimale Ergänzung zu ihrem Stammlokal.»

Das Netzwerk des Samuel Vörös

Die Absenderin der Meldung, die Schatz AG, ist eine Agentur für Gastronomie und Hotelbetriebe mit Schwerpunkt Marketing, Einkauf und Administration. Der Dienstleistungsbetrieb ist ein «Produkt» des Luzerner Gastronomen Samuel Vörös (40). Das Ziel heisst: Marketing, Einkauf und Administration werden gebündelt. So sparen die angeschlossenen dreizehn (eigenständigen) Betriebe Kosten. Zum Netzwerk der Schatz AG gehören Gastronomiebetriebe, an denen die neuen «Storchen» Besitzer über die Firmen Corbeau AG, Manfred Schmatz AG und Gastkultur GmbH beteiligt sind. In der Zentralschweiz sind dies die u.a. Betriebe Brasserie Bodu, Izakaya Nozomi, Krone Blatten, Liebelle, Mill'Feuilles, Riviera Lucerne, Rössli hü, Seehaus Grill, Träumli Seelisberg und die Vorderbühne. Im Hotelbereich sind es das Hotel Barabas, das Seehotel Kastanienbaum sowie das Hotel Stans Süd. Die Vermarktungsorganisation Schatz AG mitgerechnet stehen insgesamt rund 650 Mitarbeitende auf der Lohnliste. Der Umsatz wird auf rund 40 Millionen Franken geschätzt.

Urs Karli, der Pionier

1973 wurde der damals 27 Jahre alte Urs Karli Geschäftsführer des renommierten Luzerner Stadthotels Astoria. Der gelernte Koch und Absolvent der Hotelfachschule Lausanne erkannte schnell das Potenzial, welches das «Astoria» bietet und begann - seit 1988 «Astoria» Besitzer - mit unermüdlichem Ideenreichtum und Durchsetzungsvermögen die Luzerner Hotel- und Gastronomieszene aufzumischen. Er setzte Akzente: Im Foodbereich, in der Architektur (mit Herzog de Meuron und Jean Nouvel), in der Innenarchitektur, im Seminar- und Eventbereich. Mit seinen Innovationen wertete er auch die Luzerner Neustadt auf. Das Resultat: Die Astoria Betriebs AG umfasst heute die drei Hotels «Astoria», «Renaissance« und «The Hotel» sowie acht Restaurationsbetriebe, darunter das «Cucina», der «Thai Garden», das «Mekong» und das «Pacifico». Bekannt sind auch die Bars «Bourbon», «Penthouse» und «Bocca Grande». Das Unternehmen beschäftigt je nach Saison plus/minus 350 Mitarbeitende. Der Umsatz wird nicht kommuniziert. Er wird auf rund 40 Millionen geschätzt.

Das Eltschinger Familienunternehmen

Peter Eltschinger (68) hatte 1981 eine klare Vorstellung und er hat sie heute noch. «Essen ist weit mehr als nur den Hunger stillen. Essen ist ein Anspruch an alle Sinne. Er umfasst den ganzen Aufenthalt eines Gastes und wenn dieser begeistert den Betrieb verlässt, haben wir unseren Job bestmöglichst erfüllt.» Das hat der gelernte Koch ins Stammbuch des Familienunternehmens Remimag Gastronomie AG schreiben lassen. Mit der Integration der Gamag Management AG im Jahre 2015 präsentieren die Eltschingers aktuell ein Imperium, das in der Zentralschweiz neun Betriebe, darunter das Hotel Anker in Luzern, die Restaurants Bahnhöfli, Kafi Klatsch, Militärgarten, Opus, Pfistern in Luzern sowie die Restaurants August in Wolhusen und Tell in Gisikon umfasst. Schweizweit zählt die Remimag Gastronomie AG 28 Betriebe inklusive Zentralverwaltung. Seit 2014 führen die Söhne Bastian und Florian Eltschinger das Familienunternehmen. Diese gelungene Nachfolgeregelung war übrigens dem Schweizer TV SRF eine «Dok» Sendung wert. Das Unternehmen beschäftigt 731 Mitarbeitende (in Vollzeitstellen 614) und erzielte 2018 einen Umsatz von 77,545 Millionen Franken. Das alles ist in voller Transparenz auf der Website nachzulesen.

Auf den Spuren von Gambrinus in Luzern

Unlängst gab die Gambrinus Gastronomie AG bekannt, per Anfang 2020 das Glasi Restaurant Adler in Hergiswil zu übernehmen. Der «Adler» passt millimetergenau ins Portefeuille des Unternehmens. Dessen Geschäftsführer Alois Keiser (45) zeichnet für drei weitere Gambrinus-Bertriebe verantwortlich: Für des Herzstück, das Restaurant und Musiklokal Stadtkeller, für das Restaurant Rathaus Brauerei an der Reuss und für das «Helvetia» im Luzerner Neustadtquartier. Alois Keiser, der gelernte Tourismus- und Hotelfachmann (Hochschule Luzern und Hotelfachschule Belvoir, Zürich) will gesund wachsen und «nicht aggressiv vorgehen», wie er ROI Online gegenüber betont. Er positioniert die Gambrinus Unternehmen als qualitativ hochstehende Nischenprodukte, die eigenständig und mit bestens aus- und weitergebildetem Personal Akzente setzen. Die Gambrinus Gastronomie AG wurde vor zehn Jahren gegründet und befindet sich mehrheitlich im Besitz der Familie von Eckhard Schwöbel. Der langjährige Geschäftsführer des Schweizer Ablegers des deutschen Medizinalunternehmens B Braun ist auch studierter Biertechnologe. Die Familientraditon setzen die Töchter Julia und Anne-Kathrin Schwöbel als Verwaltungsrätinnen fort. Die Betriebe beschäftigen im Schnitt 150 Mitarbeitende. Der Umsatz wird mit rund fünfzehn Millionen Franken beziffert.

Sinnvoll der Gastronomie huldigen

Dreizehn Betriebe zählt die Sinnvoll Gastro Holding GmbH, elf davon befinden sich in der Zentralschweiz. In Luzern sind es u.a. die Restaurants Grottino 1313, Gartenhaus 1313 und Container, in Emmenbrücke das Ferus, in Weggis das Hotel Alpenblick und in Lungern das Hotel und Restaurant Kaiserstuhl. Einen Namen habe sich die «Sinnvoll» Gastronomen mit dem «Streat Food-Weekend» im Luzerner Stadtteil Reussbühl gemacht. Jeweils im Juni finden sich rund 2000 Food-Liebhaber im ehemaligen „Problemviertel“ ein, um an rund 100 Ess- und Getränkeständen Slow Food zu erleben. Mit ihren Aktivitäten stärken die umtriebigen Gastronomen das Engagement des Luzerner Unternehmers Ueli Breitschmid, der mit dem Kauf von Liegenschaften an der Lindenstrasse deren Verslumung stoppte. Die Sinnvoll Gastro Holding GmbH wurde 2010 von Heinrich Michel, Philippe Geiser und Simon Feigenwinter gegründet. Ihr Credo: In der Zentralschweiz ein kreatives und innovatives Gastronomieunternehmen etablieren, das heraussticht, das anders ist als die anderen, das wahrgenommen wird und das Aufsehen erregt. Die aktuellste Akquisition, das legendäre "Drei Könige" in Entlebuch, stützt die Strategie des hippen «Sinnvoll»-Trios. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 250 Mitarbeitende, die Hälfte davon in Teilzeit. Der Umsatz wird mit 17 Millionen Franken angegeben. (jo.)

 

 

 

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