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Fehlendes Wissen für E-ID

Mit hauchdünnen 50,39 Prozent Ja-Stimmen hat die Schweizer Stimmbevölkerung am 28. September 2025 das neue E-ID-Gesetz angenommen. Der Bund baut derzeit die staatliche elektronische Identität samt Vertrauensinfrastruktur auf; der Start ist für Ende 2026 geplant. Eine neue Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt: Die meisten Schweizer KMU kennen das Thema, doch nur rund ein Fünftel setzt bereits Lösungen um.

Mit dem Ja zum Bundesgesetz über den elektronischen Identitätsnachweis und andere elektronische Nachweise bekommt die Schweiz ab Ende 2026 eine staatliche E-ID sowie die offene Vertrauensinfrastruktur swiyu. Sie erlaubt Behörden, Unternehmen und privaten Organisationen, digitale Nachweise auszustellen und zu prüfen – etwa für Altersnachweise im Online-Shop, die Kundenaufnahme bei Banken oder die Überprüfung von Qualifikationen. In einer ersten Standortbestimmung untersucht die HSLU mit der Studie «Digitale Identitäten und elektronische Nachweise in der Schweiz 2026», wie gut vorbereitet kleine und mittlere Schweizer Unternehmen (KMU) auf diesen Schritt sind. Im November 2025 wurden 78 KMU-Vertreterinnen und -Vertreter befragt.

93 Prozent kennen die E-ID, aber nur 20 Prozent handeln
Die Bekanntheit der neuen E-ID ist hoch: 93,6 Prozent der befragten KMU haben von ihr und der Vertrauensinfrastruktur gehört. Bei der Umsetzung zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Erst 20,5 Prozent haben bereits entsprechende Lösungen implementiert, weitere 21,8 Prozent befinden sich in Planung oder Umsetzung. Rund 36 Prozent haben keine Umsetzungspläne, und ein weiteres Fünftel zieht das Thema erst in Betracht.

Nicht das Gesetz ist das Problem
Anders als in der politischen Debatte vor der Abstimmung vermutet, liegen die grössten Hindernisse nicht bei Recht oder Datenschutz. Am häufigsten nennen die KMU drei Hürden für die Einführung: die Integration in bestehende Systeme (47,4 Prozent), mangelndes Wissen und Verständnis (43,6 Prozent) sowie fehlende Geschäftsfällen oder fehlender Bedarf (39,7 Prozent). Regulatorische Bedenken nennen nur 17,9 Prozent (siehe Abbildung 1). «Digitale Identitäten scheitern selten an der Idee, sondern an Schnittstellen, Rollenlogiken und am Betrieb», sagt Tim Weingärtner, Professor am Departement Informatik der Hochschule Luzern und Mitautor der Studie. Entsprechend nennen KMUs Effizienzsteigerung (84 Prozent) und verbesserte Sicherheit (72 Prozent) als wichtigste Einführungsgründe.

KMUs sehen Deepfakes als Risiko
Ein zentraler Befund betrifft das Risiko durch Künstliche Intelligenz: Rund 86 Prozent der Befragten stufen KI-generierte Fake-Identitäten wie Deepfakes als mindestens mittleres Risiko für ihr Unternehmen ein, knapp die Hälfte sogar als hohes oder sehr hohes Risiko. Für 63,8 Prozent können digitale Identitäten bei der Verhinderung solcher Fälschungen helfen. Für Tim Weingärtner ist das ein zentrales Argument: «Die Überprüfung von Identitäten ist ein zentraler Bestandteil vieler Geschäftsfälle. Im digitalen Raum braucht es dafür eine sichere, vertrauenswürdige und selbstbestimmte Lösung.»

Viele warten ab und riskieren Aufholstress
Für die kommenden drei Jahre zeichnet sich ein pragmatischer Kurs ab: Rund die Hälfte der Befragten will die Prüfung digitaler Identitäten in bestehende Systeme integrieren oder Pilotprojekte starten. Gut ein Viertel beobachtet den Markt und handelt erst später, gut ein Fünftel plant vorerst keine Projekte. Nur sechs Prozent wollen eigene digitale Nachweise ausstellen (Abbildung 2). Die Studie warnt: Wer zu lange zuwartet, spart kurzfristig Aufwand, riskiert aber mittelfristig höhere Integrationskosten, weil interne Fähigkeiten und Anschlüsse ans Ökosystem später unter Zeitdruck aufgebaut werden müssen. Deshalb raten die Autoren sich jetzt bereits mit Anwendungsfällen im eigenen Umfeld zu beschäftigen. (pd.)

Weitere Informationen und die Studie als PDF

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