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  • In der Zentralschweiz besteht bei Ärzten, Elektroinstallateuren und -mechanikern sowie bei Telekommunikations- und Rundfunktechnikern der grösste Fachkräftemangel. Symbolbild: Pexels

Dringend gesucht: Ärztinnen und Elektriker

In der Zentralschweiz besteht bei Ärzten, Elektroinstallateuren und -mechanikern sowie bei Telekommunikations- und Rundfunktechnikern der grösste Fachkräftemangel. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich hat die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ auch in diesem Jahr die Rekrutierungsschwierigkeiten von 102 Berufen verglichen.

Die ersten beiden Plätze der Zentralschweizer Fachkräftemangelrangliste haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Ärztinnen und Ärzte sind sogar im vierten Jahr in Folge auf dem ersten Rang. Auf dem zweiten Platz liegen unverändert Elektroinstallateure und -mechaniker. Neu auf dem dritten Platz liegen Telekomunikations- und Rundfunktechniker. Seit 2022 hat sich der Fachkräftemangel in diesem Beruf stark und stetig verschärft.

Hilfsarbeitskräfte steigen in Fachkräftemangel-Ranking am stärksten auf
Sonstige Hilfsarbeitskräfte sind gleich 31 Plätze nach vorne gerückt. In der Erhebung im letzten Jahr belegte dieser Beruf mit Platz 93 noch einen der hintersten Ränge. Im Jahr 2025 scheint dieses Berufsbild mit Rang 62 schwieriger zu finden zu sein. Bei der Berufsgruppe, zu der unter anderem Paketboten und Automatenbefüller gehören, hat sich insbesondere die durchschnittliche Dauer der Stellenausschreibung 1,95 Monaten auf 2,63 Monate deutlich verlängert. Mit einem negativen Indexwert und einem Rang deutlich in der zweiten Hälfte der Rangliste ist der Fachkräftemangel im Vergleich zu allen anderen Berufen aber nach wie vor unterdurchschnittlich.

Regionaler Mangel bei Uhrmachern und Telekommunikationstechnikern
Im Vergleich zur schweizweiten Rangliste sind in der Zentralschweiz ist die Situation bei Präzisionshandwerkern und kunsthandwerklichen Berufen, beispielsweise Uhrmachern und Schmuckwarenherstellern aber auch Glasmachern und Dekormaler, angespannter. Ganze 79 Ränge beträgt der Unterschied zwischen dem Rang dieser Berufsgruppe in der Zentralschweizer und der Schweizer Rangliste. In der Zentralschweiz liegt sie mit Platz 19 im vorderen Fünftel, schweizweit jedoch mit Platz 98 auf den hintersten Plätzen. Da die zugrundeliegenden Daten auf den Zeitraum von 2021 bis 2024 beziehen, sind jüngste Herausforderungen der Branche aber noch nicht abgebildet.

Auch für Telekommunikations- und Rundfunktechniker (Rang 3 gegenüber 63) und Bediener von Maschinen zur Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln (Rang 38 gegenüber Rang 79) aus anderen Regionen könnte sich ein Umzug in die Zentralschweiz lohnen.
 
Keine Entschärfung des Fachkräftemangels trotz schwächerer Arbeitsmarktlage
Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Monaten deutlich abgekühlt. Die Arbeitslosenquote hat jüngst mit 3 Prozent auf nationaler Ebene und 2 Prozent in der Zentralschweiz den höchsten Wert seit 2021 erreicht. Auch die Anzahl offener Stellen ist seit ihrem Höhepunkt im ersten Halbjahr 2022 tendenziell stark rückläufig. Die Anzahl Beschäftigte in der Zentralschweiz hat sich im ersten Quartal 2025 binnen Jahresfrist nicht verändert. Der regionale Industriesektor verzeichnete im gleichen Zeitraum gar einen Rückgang von 1,4 Prozent. Unternehmen erwarten auch in den nächsten Monaten eine zurückhaltende Beschäftigungsentwicklung.

Trotz der trüben Stimmung am Arbeitsmarkt wird uns der Fachkräftemangel auch in den nächsten Jahren und Jahrzenten beschäftigen. In absehbarer Zeit findet eine regelrechte Pensionierungswelle statt, sodass mehr Personen aus dem Arbeitsmarkt austreten als eintreten. Gleichzeitig sinken aufgrund von Teilzeitarbeit die durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitsstunden. Als Reaktion auf den Fachkräftemangel können Unternehmen intern Abläufe und Prozesse optimieren und automatisieren. Gleichzeitig müssen sie sich auf politischer Ebene für den Abbau übermässiger Bürokratie einsetzen, die wichtige personelle Ressourcen bindet. (pd.)

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