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World Tourismus Forum Lucerne 2019 war ein voller Erfolg

Das 6. World Tourism Forum Lucerne (WTFL), welches vom 2. bis 3. Mai im KKL Luzern stattfand, befasste sich mit den drei Schwerpunktthemen Innovations-, Talent- und Diversitätsmanagement. 550 Teilnehmende aus 80 Ländern stellten sich einer Diskussion, die klar aufzeigte, dass die digitale Transformation die Tourismusbranche über neue Geschäftsmodelle in die Zukunft führt. Das hat auch Auswirkungen auf die Anforderungsprofile der Mitarbeitenden. Agilität, soziale Kompetenz und gelebte Nachhaltigkeit sind die Kernbegriffe dazu. Aus dem Start-up Innovation Camp 2019 gingen fünf Schweizer Start-up-Unternehmen als Sieger hervor.

Innovative, zuweilen digitale Geschäftsmodelle verändern die Reise-, Tourismus- und Hotelbranche laufend. Sie stellen etablierte Strukturen und Organisationen in Frage und zwingen dazu, sie zu überdenken und zu reorganisieren, um auf der Höhe des technologiegetriebenen Wandels zu bleiben. Im Mittelpunkt des diesjährigen World Tourism Forum Lucerne standen neben der Innovation vor allem die Menschen: die Innovatoren, die Kreativen, die Treiber und die Zukunftsbeeinflusser, kurz: das Humankapital der Branche.

Innovation und Umsetzungskraft als gemeinsamer Nenner

In ihrem Referat betonte Karolin Frankenberger, Professorin für strategisches Management an der Universität St. Gallen, die intensiven Veränderungen in der Tourismusbranche. «Besonders neue Start-ups haben die Industrie mit ihren disruptiven Geschäftsmodellen auf den Kopf gestellt. Neben inzwischen bekannten Namen wir Airbnb, Booking.com und Uber kommen stets neue wie GetYourGuide dazu.» Da stelle sich doch die Frage, so Frankenberger weiter, weshalb Start-ups so erfolgreich seien und etablierte Firmen diesbezüglich eher träg wirkten und es offenbar nicht schafften, den Markt mit neuen, disruptiven Geschäftsmodellen zu begeistern. «Im Kern einer Transformation steht die Entwicklung eines neuen, disruptiven Geschäftsmodells. Start-ups profitieren hier vom Nichtvorhandensein einer langen Historie, welche die Agilität einschränkt und Innovationen oft schwer(fällig) macht. Etablierte Firmen hingegen verfügen über dieses Erbe, und nicht zuletzt über ein bestehendes Geschäftsmodell, das in der Vergangenheit bereits gute Erfolge erzielt hat.» Was können da etablierte Unternehmen tun? «Sie können relativ leicht lernen, neue und innovative Geschäftsideen zu entwickeln», so Frankenberger weiter. Im Kern gehe es um die Umsetzung. «Die meisten Ideen scheitern nämlich in der Umsetzungsphase», führte Frankenberger aus und erklärte anhand verschiedener Beispiele, «dass die Themen Führung, Menschen, Kultur, organisationale Strategie, Technologie und Prozesse im Mittelpunkt der erfolgreichen Umsetzung einer Transformation stehen.»

 Zauberwort «Humankapital»

Es war schon immer so, und es wird in der digitalen Welt noch zentraler: Es sind die Menschen, die mit ihrer Arbeit, ihrem Engagement und ihrer Identifikation die Zukunft eines Unternehmens bestimmen. Der Mensch ist das Kapital – das Humankapital. Gemeint sind damit auch die Talente, die den Beruf als das verstehen, was er semantisch bedeutet: Berufung. Es geht also darum, Talente zu entdecken und sie entsprechend einzusetzen. Ein Thema für Kate Walsh von der Cornell University, die in ihrem Vortrag ihre Untersuchungen als Pädagogin zum Thema Humankapital präsentierte. «Die Zukunft gehört jenen Firmen, deren Führungskräfte erkannt haben, dass Arbeitsweisen neu gestaltet werden müssen, die wissen, wie die Agilität jedes Einzelnen und damit dessen Engagement gefördert wird und wie Talente inspiriert werden können.» Es sei die Kernaufgabe der Pädagoginnen und Pädagogen, so Walsh weiter, nicht nur ständig darüber nachzudenken, wie und was gelernt werden soll, sondern auch zu überlegen, wie die Arbeit in der technologieorientierten Welt verstanden bzw. neu definiert und umgestaltet werden soll. «Es geht dabei darum, wie Fachwissen für ein Unternehmen genutzt bzw. gehalten werden kann. Es braucht ein neues Denken in einer neuen Arbeitswelt.»

Bundesrat lobt Stärke des Innovationsstandorts Schweiz

In seinem Referat unterstrich Bundesrat Guy Parmelin, Vorsteher des eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung die Stärke des Innovationsstandortes Schweiz. «Die Stärken der Schweiz zeigen sich vor allem auch in der Innovationskraft der Tourismusbranche», führte Parmelin aus. Veranstaltungen wie das World Tourism Forum Lucerne seien wichtige Plattformen und als eigentliche Innovationstreiber zu verstehen.

Insgesamt fanden anlässlich des World Tourism Forum Lucerne im KKL und an ausgelagerten Orten wie der Hotelfachschule Luzern über dreissig Referate, Panels, Präsentationen, Pitches, Preisübergaben, Workshops und Parallelsitzungen statt. Gastland war die Tourismusdestination Ras Al Khaimah.

Start-up Innovation Camp 2019: die Sieger

Dass motivierte, engagierte und kreative Talente existieren, belegte das 4. Start-up Innovation Camp 2019, welches im Vorfeld des WTFL stattfand. Die internationale Jury hat aus fünfzehn Finalisten (es bewarben sich 250 Start-up-Unternehmen aus 56 Ländern) fünf Sieger erkoren. Allesamt sind es Schweizer Jungunternehmen, welche in den Kategorien Hospitality, Mobility, Destination, Impact und Transaction den ersten Platz belegen. Es sind dies die Firmen Trip Boutique, Zürich (Destination), Prognolit, Winterthur (Hospitality), RoomPriceGenie, Zug (Transaction), KITRO, Zürich (Impact) sowie EuroTube, Zürich (Mobility). Die Preisträger profitieren neben einem Preisgeld von 20 000 US-Dollar von einem zweijährigen Coaching durch erfahrene Führungskräfte und Unternehmer.

Zukunftsgestaltung am Campus Luzern

Das World Tourism Forum Lucerne ist nicht nur ein erfolgreicher Eventorganisator, sondern schafft auch Inhalte und Werte. Basierend auf den Themen Talent, Innovation, nachhaltige Entwicklung und Diversität, werden spezifische Themen als Mehrwert generiert. Mit dem 2018 lancierten Projekt «Tourism by Tomorrow», das vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), der Neuen Regionalpolitik (NRP), der Stadt Luzern und verschiedenen Kooperations- und Industriepartnern wie der Bürgenstock Selection und der Orascom Development von Samih Sawiris unterstützt wird, entsteht in Luzern ein eigentlicher Innovationshub für den zukünftigen Tourismus. Das Konzept, welches am WTFL detailliert einer interessierten Zuhörerschaft präsentiert wurde, umfasst auch ein einwöchiges Camp für schweizerische und globale Start-up-Firmen. «Tourism by Tomorrow« findet 2021 erstmals statt. Ein weiteres Element des Konzepts ist eine bereits bestehende Online-Plattform, welche die Start-up-Firmen mit Investoren und Dienstleistern zusammenbringt. Kern ist eine strukturierte Datenbank, welche laufend zukunftsträchtige Start-up-Unternehmen in den Bereichen Tourismus, Reisen, Mobilität und Gesundheit aufspürt und im Sinne eines «Ökosystems» auf die Plattform führt.

 Eine positive Bilanz

Für Martin Barth, CEO des WTFL, ist die 6. Auflage des Forums ein voller Erfolg: «Nicht nur konnten wir einmal mehr die Teilnehmerzahl erhöhen, auch die Resonanz war in allen Belangen positiv. Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass das WTFL eine einzigartige Plattform ist, auf der sich weltweit führende Unternehmen aus den Bereichen Tourismus, Reisen und Hospitality treffen, um eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten. Das WTFL ist die einzige Plattform, die Start-up-Unternehmen, junge Führungskräfte und Studierende mit Investoren, Ministern und CEOs zusammenbringt.»  In den letzten zehn Jahren habe sich die Plattform zu einem ganzjährigen Netzwerk von Führungskräften und Vordenkern aus diversen Bereichen (Wirtschaft, Bildung, Regierung, Finanzen und Gesellschaft) entwickelt, die positive Veränderungen in der Reisebranche, im Tourismus und in der Hotellerie anregen, betonte Martin Barth. (jo.)

www.wtflucerne.org

 

 

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